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War das ein Trancezustand?

Mit dieser Frage sind wir in die AATINI-Nacharbeit gestern früh eingestiegen und wir waren eindeutig der Meinung: JA. Wir können ohne Trommel oder Rassel als Reitpferd in die andere Wirklichkeit, anderen Wirklichkeiten einsteigen. Wodurch gelingt uns aber der Einstieg und der Ausstieg in den Trancezustand?

Hier die Antwort der Supervisionsteilnehmerinnen:

A.B. Ich bemerkte durch die Veränderung meiner Laute, dass ich in einem Trancezustand war. Das wurde ausgelöst durch die Wiederholung von Bewegungen, dann kam das Bild einer Wölfin … und ich erfuhr durch die Verbindung mit dem Tier einen Heilungsprozess. Mein Ausstieg war, dass sich meine Bewegung veränderte und ich mich auf die linke Seite legte.

I.B. Tanz ist für mich immer ein Eintreten in einen anderen Bewußtseinszustand. Mein Einstieg bei Aatini heute Morgen ging über den Körper, den Atem, die Stimme. Mein Ausstieg ging über das Kreisen, die Bewegung und über den Kontakt mit den anderen in der Gruppe, dass ich zu ihnen hin spürte. Es ist für mich intim in so einen Zustand einzutreten. Ein höchst sensibler Zustand vergleichbar der Sexualität mit einem Menschen. Wir gehen behutsam miteinander den Weg hinein und behutsam wieder heraus. Das ist wichtig.

CBE Durch das intensive Hinspüren zum Körper steige ich in eine andere Bewusstseinsebene ein, die sich dann mehr und mehr differenziert. Mein Ausstieg war über das Hinspüren zur Gruppenenergie, ich habe aufgehört mich zu bewegen und mich auf die linke Seite gelegt zum Nachspüren.

K.B. Wie geht der Einstieg? Ich weiß es nicht. Es fühlt sich so an, als ob ich mir selber nicht die Erlaubnis gebe das zu spüren aus Angst vor Kontrollverlust. Ich bin aber in einem anderen Bewusstseinszustand, der jetzt auch noch in mir nachklingt.

S. B. Mein Einstieg in die andere Wirklichkeit geschah über das Fokuisieren auf mein Becken, die Knochen … . Mein Ausstieg kam als ich zu den anderen in der Gruppe hinhörte und meine Bewegung gleichzeitig endete.

U.Sch. Ich bin eingestiegen durch die Bilder, die G.F. vorgegeben hat und durch meine Stimme, da ging es ab in den Körper, in Bewegung, Atem, mit mir sein, verbunden mit der Gruppe, ich spürte den Schutzraum der Gruppe und war in tiefer Verbindung mit mir im Kreisen und Aufrichten, im Spüren von horizontalen und vertikalen Kräften und wie sie sich kreuzen.

Meine Frage: War das ein Trancezustand bei AATINI?, wurde also deutlich mit einem JA beantwortet, die Teilnehmerinnens wussten auch wie sie über den Körper rein und raus kommen in die anderen Bewußtseinsebenen und sie legten Wert auf das gemeinsame Erleben in der Gruppe, das einander achten und wahrnehmen auf dieser Reise und sie gingen alle über den Körper, die Bewegung, die Stimme. Das ist ein großer Erfolg ihrer Ausbildung bei Elke Wagner.

Und ist das nun Hypnose? Trance? oder Ekstase? in was wir da einsteigen über Bewegung und Tanz? Unser Zugang in den HKIT zu anderen Wirklichkeiten in den HKIT nennen wir in Anlehnung an Dr. Felicitas D. Goodman Trance, wobei wir das nicht mit Messgeräten überprüfen, auf welcher Bewusstseinsebene sich eine TeilnehmerIn gerade aufhält in ihren tänzerischen Heilungsgeschäften.

Offiziell unterscheiden wir in Hypnose nach Milton Erikson, das wäre der Einstieg über die Bilder, die ich im Vorgespräch nannte, die Beckenschale, den Brunnen oder über Trance, dieser Bewusstseinszustand ist in Abgrenzung zur Meditation genau definiert und wissenschafltich ausgemessen was die Veränderung der Körperreaktionen und der Gehirnwellen anbelangt, siehe die Forschungen von Dr. Felicitas Goodman und Dr. Gutmann an der UNI Wien oder nennen wir es Ekstase, wie der Religionswissenschaftler Mircea Eliade in seinem fundamentalen Werk, Schamanismus und archaische Ekstasetechniken, diese Bewusstseinszustände nannte, Suhrkamp, 2006. Aus dem Klappentext:

Das religiöse Phänomen des Schamanismus hat seine deutliche Ausprägung bei den Völkern Zentralasiens und Sibiriens gefunden, doch auch in Afrika und Australien, in Nord- und Südamerika ebenso wie bei den Griechen und den Germanen hat man ähnliche Erscheinungen verzeichnet. Eliades Darstellung des Schamanismus war bei ihrem Erscheinen der erste Versuch, dieses Phänomen umfassend darzustellen.

Dieser verschieden definierten anderen Wirklichkeiten sind viele, auch noch längst nicht definierte. Der Umgang mit anderen Wirklichkeiten ist jedoch zentral im Heilungsgeschehen eines Menschen über Bewegung und Tanz, wie meine nächste Frage an die Teilnehmerinnen des Ausbildungsblocks deutlich macht:

Warum Trance? Warum gehen wir in andere Bewusstseinszustände?

  • Sehnsucht nach der Quelle von Lebensfreude, Erholung bis zum unkontrollierten Raum, der Sehnsucht nach dem dionysischen, bachantischen Raum. Wünsche nach Kontrollverlust, Leichtigkeit, Sorgenfreiheit, Ursprünglichkeit
  • Zur Wirklichkeitsbewältigung: Wir wechseln am Tag öfters unsere Bewusstseinszustände und merken es noch nicht einmal, da unsere Kultur nur einen Bewusstseinszustand, den sie REALITÄT nennt anerkennt leben die anderen ein Schattendasein, das wir einmal entdeckt für uns nutzen können um unseren Alltag besser zu bewältigen, wenn wir mal wieder fünf Sachen gleichzeitig tun sollten oder wenn wir den Feierabend genießen wollen, zum bewussten Abschalten ohne rauchen, trinken oder TV
  • Spirituelle, religiöse Motive wie: Der Wunsch nach Erweiterung – da gibt es doch noch mehr? Wissen, dass da noch etwas anderes ist, das wir uns erschließen möchten. Die Welt mit neuen Augen sehen. Suche nach einer höheren Macht.
  • Körperlicher und/oder psychischer Heilungswunsch, heil sein, ganz sein, Verbindung zum Körper, sich besser spüren, Gemeinschaft erleben, Verbundenheit, Anbindung an das große Ganze, Verbindung schaffen zu sich und zu den anderen und dabei Freiheit empfinden, die Kontrolle loslassen. Gegensätze überwinden.

Soweit unsere Forschungsreise gestern zur schamanischen Seite des Heilungsgeschehens bei den HKIT. Wichtig ist mir, dass wir alleine über unseren Körper und ohne jegliches Mittel, wie Trommel, Rassel oder auch Drogen aller Art auf diese Reise gehen können, alleine über das Hinspüren zu unserem Atem, unseren Körperwirklichkeiten. Auch ist es nicht notwendig den Atem zu puschen wie das beim Holotropen Atmen gemacht wird, wo dieTeilnehmer zum Hyperventilieren aufgefordert werden.

Tanz lehrt uns einen sanften Weg in die andere Wirklichkeiten und ebenso einen sanften Ausstieg, so dass wir nach dem Tranceerleben nicht k.o. in der Ecke hängen oder mehrere Tage brauchen unseren Rausch auszuschlafen. Wie eine Teilnehmerin bemerkte, impliziert der Tanz andere Bewusstseinsebenen wie von ganz alleine. Selbstbestimmt können wir in diese Welten eintreten und wieder abschied von ihnen nehmen.

Am Abend begegneten wir, mit Stefka Weiland zusammen, auf einer schamanischen Reise, Nana am Urstrand und Omulu in schmerzhaften Bereichen unseres Körpers. Wir sammelten die Kräfte der Erde ein, bei diesem Tanzritual, für diesen Herbst und ließen uns mit den bunten Blättern zu Boden fallen, bereit zur Winterruhe.