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Thesen zu den Wirkfaktoren der HKIT

  • Tanzen mit den HKIT erdet und lässt uns eine Heimat im Körper finden. Auf Auf diese Weise Körperlich und seelisch vorbereitet und mit dieser Ressource ausgestattet können wir heraustreten und anderen Begegnen.

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  • Tanzen mit den HKIT fordert uns auf zur Mitarbeit an einer sozialen Skulptur: Tanzritual Dancing Dialogue. Damit fördern HKIT in einem umfassenden Sinne soziales Lernen und soziales Verhalten.

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Diese vorher – nachher Fotos machen deutlich, wie sich das ritualisierte Setting des Dancing Dialogues positiv auf die Kontaktaufnahme unserer Gasttänzerin auswirkt und eine soziale Skulptur in der Gruppe entstehen kann.

Dabei kann das Tanzritual Dancing Dialogue sowohl als therapeutisches Setting verwendet werden zwischen KlientIn und TherapeutIn wie auch als künstlerische Herausforderung zwischen zwei Tanzenden. Auch auf den Berufsalltag übertragen wirkt DD Wunder als angewandter Tanz auf die Mitarbeiterin am Schreibtisch gegenüber und im täglichen gemeinsamen Tanz und genau so an den Frühstückstisch im Familienalltag auf PartnerIn und Kinder, der Anwendungsgebiete sind da keine Grenzen gesetzt. Kommunikation verbal oder nonverbal findet sich bereits in der U-Bahn. Dazu schreiben Tschacher und Storch in ihrem Buch, Embodied Communication, Kommunkation beginnt im Körper, nicht im Kopf, Huber 2014 auf der Seite 99:

Sich auf einen Prozess des Synchronisierens einzulassen bedeutet dabei auch immer sich selber zu verändern. 

Kommunikation, Dialog bedeutet Austausch, heißt, dass wir uns, sobald wir uns anderen zuwenden in einen unentwegten Prozess der Veränderung geraten, auch Klaus Dörner bringt das auf den Punkt, wenn er sagt:

„Es geht nicht darum, den Anderen zu verstehen, sondern – innerhalb der Begegnung mit dem Anderen – sich selbst zu verstehen und sich für alles Unerwartete offen zu halten, was dabei auftaucht und einem dabei widerfährt.“

„Der Dialog des Menschen mit seiner Landschaft ist die Realität, hinter die nicht zurückgegangen werden kann, was offen dafür macht, das Unerwartete nicht länger zum Resultat einer vollkommenen Erkenntnis oder einer unzureichenden Kontrolle zu machen, wobei die Zeitlichkeit, die Geschichte, das Werden der Landschaft die Grundlage für deren Räumlichkeit und Sprachlichkeit ist.“

Klaus Dörner, Freispruch der Familie, Psychiatrieverlag, 2001

Mutig begeben wir uns in diesem Supervisionsblock auf die Forschungsreise in die Soziale Skulptur, wie das Josef Beuys nennt und erforschen dabei gleichzeitig den Veränderungsprozess von TherapeutIn und KlientIn im Tanztherapeutischen Setting des Dancing Dialogues und der HKIT. Denn der Wirkfaktor TherapeutIn-KlientIn Beziehung ist wichtiger als jede Methode die in der Therapie angewendet wird.

Zur Erinnerung. Dancing Dialog: Zwei sitzen sich auf Hockern gegenüber, die eine tanzt, die andere schaut zu und öffnet mit ihrer Einstellung den Tanzraum für die Tanzende. Dann wechseln die beiden und in der dritten Sequenz tanzen dann beide miteinander. Die Frage nun ist, wie geht dieses Miteinander? Wie reagieren wir auf unser Gegenüber. Bleiben wir bei unseren Bewegungen, verändern die Bewegungen des Gegenübers unsere eigenen? Entsteht ein Gemeinsames Drittes? Wir wissen 80 % eines Gesprächs vermittelt sich nicht über Worte sondern über Bewegung. Was vermittelt sich da also heute, am Mittwoch Abend um 18 Uhr?

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Sylvia B. erzählt, dass sie beim alleine Tanzen nach hinten sankt, jetzt aber nach vorne, weil ihr Gegenüber sich nach vorne bewegte kam das auch bei ihr. Die Hände begegneten sich am Boden und dann begann ein gemeinsamer Tanz mit den Händen, der zu einem Fließen wurde, ihre Tanzpartnerin
Ulrike Sch. spricht vom Schweben im All über den Minikontakt mit den Händen am Boden. Fotos dazu weiter unten.

Bei den beiden ist also ein Drittes entstanden indem sie sich aufeinander eingelassen haben, was ja immer auch heißt, sich zu synchronisieren, gemeinsame Sache zu machen. Eigene Bewegungsimpuls in den Dialog einzubringen und zu spüren, wie sie aufgegriffen werden und weitergeführt, das erlebte auch das zweite Tanzpaar:

Irma B. spricht davon, dass sie erlebte, wie eine einen Impuls gibt und der dann in der Bewegung aufgegriffen und weiter geführt wurde zwischen beiden, bis wieder eine Pause entstand die von einem neuen Impuls beendet wurde. Ihre Tanzpartnerin
Karin B. erzählt, wie sich im Synchronisieren Polaritäten zeigten, also machte die eine große Bewegungen reagierte die andere mit kleinen Bewegungen, andere Gegensatzpaare: schnell – langsam, hoch – runter, hin – her … . Wichtig waren ihr auch die Augen dabei, der Blickkontakt.

Wir sehen, welche Spielwiese sich da auftun kann in der Begegnung und im Einlassen auf die Impulse die von dem Gegenüber kommen, Diversität, das neue Schlagwort. Unterschiedlichkeit kann anregend sein und uns weiter bringen aber vor allem viel Freude machen.

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Claudia-B E. erzählt von der Erfahrung ganz bei sich selber zu sein und gleichzeitig bei der anderen und der Ambivalenz der sie da begegnet ist, sie zu spüren und auszukosten und das Wunder der Synchoronisation zu erleben. Ihre Partnerin

Andrea B. spricht davon wie es ganz von alleine zu einem gemeinsamen Ende gekommen ist, auch das eine tiefe Erfahrung von Synchronizität und sie spricht von der Freude, sich in der Bewegung der anderen Wiederzuerkennen.

Das sind die Highlights der Kommunikation in DD, die wir gestern im Supervisionsblock erfahren haben und die uns dazu auffordern, auf andere zuzugehen, mit ihnen in Kontakt zu gehen und uns auf den entstehenden Dialog mit Leib und Seele einzulassen, dabei erfahren wir viel über uns selber, wie Dörner oben sagt, aber auch viel über das Wunder der Beziehung, das sich in jeder Bewegung neu kreirt.

Auch in den Fotos die ich während des DDs machte wird die starke Ordnung, die sich aus der gegenseitigen Zugewandtheit ergibt in der Gesamtgruppe deutlich. Eine Ordnung die nicht aufgesetzt wurde von außen sondern die entsteht in der Hinwendung zum Gegenüber. Dabei geht es nicht nur um das DD Paar sondern auch um die anderen die sich im Raum bewegen, wir kreiren einen gemeinsamen Raum und folgen der Choreografie dieses Augenblicks der gespeist wird von der gegenseitigen Zuwendung, Achtung und Freude.

Tanztherapie geht immer auch über das therapeutische Setting hinaus und die Frage: Kann Tanz den gesellschaftlichen Prozess beeinflussen? ist wichtig. Meine Antwort aus diesen Erfahrungen gestern: Yes, we can, aber eben nur, wenn wir auch wirklich tanzen. Es gibt viel zu tun. Packen wir es an Frau Merkel. Haben Sie eine Tanzgruppe in Berlin oder in der Uckermark? Na, dann kann es gelingen.