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Heilende Kräfte im Tanz®: Wirkung
Autorinnen: Gabriele Fischer & Freyja Fischer

CAM00733

Freyja Fischer, Gabriele Fischer, Elke Wagner beim Körperpsychotherapiekongress 2014 in Lissabon.

Das Zusammenspiel von Körper und Psyche rückt mehr und mehr in den Fokus der Medizin und Psychologie:

  • Soziale Unterstützung kann Erkältung vorbeugen. Dabei werden ca. 30% des wahrgenommenen sozialen Unterstützung durch Umarmungen vermittelt (Cohen, Janicki-Deverts, Turner, & Doyle, 2014).
  • Bei Jugendlichen, die Asthma haben und die gegen sie persönlich gerichtete Zurückweisung erleben, verschlimmert sich das Asthma. Das kommt dadurch zu Stande, dass das Gen, das den Bauplan für die körpereigenen Asthmaabwehrmoleküle produziert, seltener abgelesen wird, d.h. die körpereigenen Abwehrstoffe werden seltener produziert und dadurch verschlimmern sich die Symptome (Murphy, Slavich, Chen, & Miller, 2015).
  • Körperpsychotherapie scheint effektiv gegen chronische Depression zu sein (Papadopoulos & Röhricht, 2014; Röhricht, Papadopoulos, & Priebe, 2013).
  • Bei den sehr direkt auf den Körper bezogenen Krankheitsbildern Anorexia nervosa und Bulimia nervosa wird wegen der wenig erfolgreichen bisherigen Therapien diskutiert, ob stärker körperbezogene Psychotherapien mit in die Behandlung eingebunden werden sollen (Konzag, Klose, Bandemer-Greulich, Fikentscher, & Bahrke, 2006).
  • Gehen erhöht die Kreativität (Oppezzo & Schwartz, 2014).
  • sexueller Missbrauch, Vernachlässigung und dysfunktionale Familienstrukturen in der Kindheit führen nicht nur zu psychischen Störungen sondern auch zu körperlichen Beschwerden, wie z.B. chronischen körperlichen Schmerzen (Arnow, 2004)

Körperpsychotherapie wirkt wie der Name schon sagt auf dieses Zusammenspiel zwischen Psyche und Körper ein und kann dadurch psychologische und körperliche Symptome lindern. Wissenschaftler erforschen, wie bestimmte Krankheitsbilder durch Körperpsychotherapie gemildert werden können, das ist notwendig, um Studien durchzuführen und die Literatur zu organisieren. Auch wenn so organisierte Studien herangezogen werden können, um zu belegen, dass Körperpsychotherapie tatsächlich wirkt, sind die spezifischen Störungsbilder in den HKiT® doch unwichtig.
Welche Rolle spielt Weiblichkeit, Frau-Sein in der Körperpsychotherapie?

Wir bewegen uns heute in Zeiten des Postfeminismus. Viele Frauen gehen davon aus, dass sie gleichberechtigt sind wie Männer und dass feministischen Themen keine besondere Aufmerksamkeit mehr geschenkt werden muss. Gleichzeitig verlangen andere, westliche Schönheitsideale in die von der UN aufgestellten Liste der „schädigenden kulturellen Praktiken“ aufzunehmen (Jeffreys, 2005). Welche Position bezieht jede einzelne Frau in dieser Debatte? Nach ein paar Stunden Körperarbeit HKiT® lässt sich da eine gute Antwort darauf geben…

  • Fredrickson und Roberts (1997) schlagen vor, dass viele Frauen in ihrem Leben die Erfahrung machen, dass das äußere Erscheinungsbild ihres Körpers eine wichtigere Rolle spielt, als die subjektive Wahrnehmung des Körpers und körperlicher Vorgänge. Durch die Heilenden Kräfte im Tanz® kann frau lernen, den eigenen Körper und damit das eigene Selbst wieder stärker wahrzunehmen.
    Ein Beispiel für die Bedeutung der Innenwahrnehmung ist der Krafttiertanz. Es geht nicht darum, wie der Tanz von außen aussieht oder was das Tier bedeutet, sondern allein, wie es sich im Körper anfühlt. Über diese Ebene des Spürens eröffnen sich neue Körpererfahrungen, die den therapeutischen Prozess unterstützen. Gelernt wird das Spüren in den HKIT über die Körperarbeit AATINI. Die Erfahrungen mit Atem und Bewegung die hier gemacht werden können auf Erlebnisse im Tanz, wie z.B. im Tiertanz transferiert werden. Ferner ist die tänzerische Arbeit mit den Orixa des Candomble in den HKIT in diesem Zusammenhang und auch in dem folgenden zu erwähnen. Mit den Orixa Nana, Oxum, Yansa und Jemana, Oxossi und Oxumare können neue Bewegungsmuster und damit Denk- und Glaubensmuster in Bezug auf Frausein und Weiblichkeit körperlich spürbar erfahren werden und tänzerisch alltagstauglich gemacht werden. Das sich größer Machen, in der unteren Studie erwähnt, liegt im Charakter des Candomble und wirkt bis heute und bis nach Inzmühlen in der Tanzheimat heilsam für alle die sich klein gemacht haben oder die klein gemacht worden sind.
  • Frauen nehmen weniger Platz im öffentlichen Raum ein, als Männer und schränken sich in ihrer Körpersprache ein (Hall, 1990; Henley, 1977). Diese körperliche Einschränkung wirkt sich auf die eigene Handlungsfähigkeit aus; Menschen, die sich groß machen haben im Vergleich zu denen, die sich klein machen höhere Testosteron- und niedrigere Kortisollevel, fühlen sich mächtiger und gehen eher Risiken ein. Menschen, die sich klein machen, zeigen genau die entgegengesetzten Reaktionen (Carney, Cuddy, & Yap, 2010). Menschen, die sich größer machen werden bei einem nachgestellten Job-Interview eher eingestellt (Cuddy, Wilmuth, & Carney, 2012). In der Tanztherapie werden diese erlernten Einschränkungen des eigenen Ausdrucks und der eigenen Lebensenergie langsam rückgängig gemacht.

Ergebnisse nach ein paar Stunden Körperarbeit und Tanz

können sein, dass die Ursachen von Depression, Essstörungen, Burnout, Angst, ADHS, Borderline zu Tage treten (Arnow, 2004; MacMillan u. a., 2001) wie:

Sexuelle Gewalt,

Gewalt  durch medizinische Eingriffe während des Geburtsprozesses und danach, Schläuche im Hals, Brutkästen, aber auch bei medizinischen Behandlungen wie Kieferorthopädie, Knie, Hüftgelenke bei Mädchen, Blinddarm OPs, Gynäkologische Eingriffe, OPs im Hals-Nasen-Rachen Bereich.

Krankenhausaufenthalten, Verbrühungen, Verbrennungen u.a. Verletzungen, Unfälle.

Kranke Mütter die MS, Sucht oder Depression hatten.

Nur um die wichtigsten Ursachen für Erkrankungen die bereits in der frühen Kindheit als Bauchweh oder Kopfschmerz oder Nervosität, Dissoziation begonnen haben zu nennen.

Aufgabe der Körperpsychotherapeutin HKIT ist es diese Verletzungen im Körper aufzuspüren, zu diagnostizieren und dort wo sie sich in Form von Blockaden manifestiert haben im Körper gemeinsam mit der Klientin Heilungswege zu entwickeln und so über Bewegung und Tanz über den Körper die Seele zu heilen.

Methoden der HKIT und ihre Wirkungen für die oben beschriebenen Krankheitsbilder sind:
1. Körperarbeit AATINI um einen liebevollen Umgang mit dem eigenen Körper kennen zu lernen und für sich selbst praktizieren zu können

2. Ausgewählte tradierte Heilungsrituale die zur Kartharsis führen und gleichzeitig heilsame Wege über die Kunst aufzeigen in eine neue Bewegungslandschaft wie Tarantella, Orixai des Candomble. ( G.F. Die Roten Schuhe, Im Ballsaal der Gaia)

3. Nähe, Verbundenheit in der Gruppe, tänzerische, spielerische Wege aus Einsamkeit und Zurückgezogenheit als Voraussetzung für Heilung und soziales Lernen, ohne das ein Heilungsprozess im tanztherapeutischen Sinne nicht gelingen kann – soziale Plastik (Joseph Beuys).

4. Tanzen aus dem freien Bewegungsimpuls als Transferleistung mit dem Körper in eine psychosomatische Balance gekommen zu sein und zu einer Beweglichkeit im übertragenen Sinne zurück gefunden zu haben, die alltagstauglich ist. Über den Körper die Seele heilen (Boyesen, 1987).
Es wird deutlich, dass es spätestens bei der Geburt eines Kindes sehr wohl einen geschlechtsspezifischen Zusammenhang dieser Erkrankungen mit Frau sein gibt, der sich erst mit der Geburt in Vitro auflösen wird. Dann sind beide Geschlechter wirklich gleich (Braun, 2008).
Literaturverzeichnis

Arnow, B. A. (2004). Relationships between childhood maltreatment, adult health and psychiatric outcomes, and medical utilization. Journal of Clinical Psychiatry, 65, 10–15.

Boyesen, G. (1987). Über den Körper die Seele heilen: biodynamische Psychologie und Psychotherapie ; eine Einführung. Kösel.

Braun, C. von. (2008). Nicht Ich. Logik, Lüge, Libido. Frankfurt (Main): Frankfurt,Neue Kritik.,.

Carney, D. R., Cuddy, A. J., & Yap, A. J. (2010). Power posing brief nonverbal displays affect neuroendocrine levels and risk tolerance. Psychological Science, 21(10), 1363–1368.
Cohen, S., Janicki-Deverts, D., Turner, R. B., & Doyle, W. J. (2014). Does Hugging Provide Stress-Buffering Social Support? A Study of Susceptibility to Upper Respiratory Infection and Illness. Psychological science, 0956797614559284.

Cuddy, A. J., Wilmuth, C. A., & Carney, D. R. (2012). The benefit of power posing before a high-stakes social evaluation. Abgerufen von http://dash.harvard.edu/handle/1/9547823

Fischer, Gabriele. Die Roten Schuhe 2002 . Im Ballsaal der Gaia 2005.

Fredrickson, B. L., & Roberts, T.-A. (1997). Objectification theory. Psychology of Women quarterly, 21(2), 173–206.

Hall, J. A. (1990). Nonverbal Sex Differences: Communication Accuracy and Expressive Style. Johns Hopkins University Press.

Henley, N. (1977). Body politics: power, sex, and nonverbal communication. Prentice-Hall.

Jeffreys, S. (2005). Beauty and Misogyny: Harmful Cultural Practices in the West. Routledge.

Konzag, D. med T. A., Klose, S., Bandemer-Greulich, U., Fikentscher, E., & Bahrke, U. (2006). Stationäre körperbezogene Psychotherapie bei Anorexia und Bulimia nervosa. Psychotherapeut, 51(1), 35–42. doi:10.1007/s00278-005-0439-9

MacMillan, H. L., Fleming, J. E., Streiner, D. L., Lin, E., Boyle, M. H., Jamieson, E., … Beardslee, W. R. (2001). Childhood Abuse and Lifetime Psychopathology in a Community Sample. American Journal of Psychiatry, 158(11), 1878–1883. doi:10.1176/appi.ajp.158.11.1878

Murphy, M. L., Slavich, G. M., Chen, E., & Miller, G. E. (2015). Targeted Rejection Predicts Decreased Anti-Inflammatory Gene Expression and Increased Symptom Severity in Youth With Asthma. Psychological science, 0956797614556320.

Oppezzo, M., & Schwartz, D. L. (2014). Give your ideas some legs: The positive effect of walking on creative thinking. Abgerufen von http://psycnet.apa.org/psycinfo/2014-14435-001/

Papadopoulos, N. L. R., & Röhricht, F. (2014). An investigation into the application and processes of manualised group body psychotherapy for depressive disorder in a clinical trial. Body, Movement and Dance in Psychotherapy, 9(3), 167–180.
doi:10.1080/17432979.2013.847499

Röhricht, F., Papadopoulos, N., & Priebe, S. (2013). An exploratory randomized controlled trial of body psychotherapy for patients with chronic depression. Journal of Affective Disorders, 151(1), 85–91. doi:10.1016/j.jad.2013.05.056