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Das ist für mich das Geheimnis an den HKiT, der Handlungsspielraum, der sich über den Ebenenwechsel Gefühl/Emotion – körperliche Wahrnehmung und Atem/Bilder/Bewegung eröffnet. Katrin Beitel

Mit diesem Zitat von Katrin Beitel möchte ich meinen Bericht zu unserem letzten Therapietag hier auf Morro de Sao Paulo am fünften Strand eröffnen. Gestern Abend haben wir nach Empfehlung von Ola Raknes ;)) weiter mit der Stirn, dem Dritten Auge gearbeitet. Wir haben nochmal darüber gesprochen wie präsent die Erinnerung für die K. an die Kinderlähmung ist, die sie mit viereinhalb Jahren befallen hatte.

Wie die Mutter ihr noch eine ordentliche Portion Kartoffelknöpfe kochen musste, bevor sie mit warmem, gefülltem und gestärktem Bäuchlein ins Krankenhaus gehen konnte. Dort auf einer völlig abgeschotteten Station traf sie auf andere Kinder, die stark von der Krankheit gezeichnet waren. Sie hatte sehr sehr viel Glück und es blieb ihr nur diese geringe Unebenheit im Gesicht am Ansatz der linken Augenbraue. Zwei kleine Dellen, eine leichte Verschiebung. In diesem Zusammenhang sehen wir auch die Verspannungen über dem Dritten Auge, die vermutlich die tieferen seelischen Traumata dieser Krankheit tragen.

Das Gewebe der K. hat in den 20 Tagen Einzelarbeit, die nun fast hinter uns liegen, gelernt, in den Fließmodus über zu gehen. Nachdem ich sie lange an der Stirn gehalten habe und an den Schädelknochen massiert habe fühlt sich die Stirnplatte und das umgebende Gewebe plötzlich an, wie Butter und schmilzt in weichen hin und her Bewegungen unter meinen Händen dahin. Da war sie wieder, die Wasserebene. Das Fließen mit der Flut.

Das Zitat von Katrin Beitel oben ist spannend im Angesicht der morgigen Abreise. Wie soll es gehen, all diese Körperwahrnehmungen, diese Körperweisheiten mit zu nehmen in den deutschen Alltag, wo der Geist in der Kälte klarer und klarer wird und die Tiefe der Empfindungen leicht der Ratio weichen muss, wo wir ein vorgegebenes Gerüst haben, indem wir uns durch den Tag bewegen und in dem keine Zeit vorgesehen ist fürs Hinspüren, Atmen, Ankommen, Bleiben?

Vor allem das letzte Wort in der Aufzählung Katrins lässt mich aufhorchen: Bewegung, ja, bewegen tun wir uns in Brasilien wie in Deutschland, hier ist der Bewegungsschlüssel von dem ich vor kurzem schon mal sprach. Die Bewegung ist ein Einstieg in unsere Körperwelten, wir müssen uns nur ein bisschen Zeit nehmen auf unsere Bewegungen zu achten und schon schalten wir auf den Körpermodus um, Atem, Gefühle, Körper-bewußt-sein, Bewegung-bewußt-sein, von da aus eröffnet sich uns ein völlig anderer Handlungsspielraum in unseren deutschen Alltag hinein.

Das Fließen, das Hin- und Herschaukeln der Inselwelt wird die zwei Abreisenden noch eine ganze Weile begleiten in ihr Ankommen hinein. Von den Handlungsspielräumen werden sie uns hoffentlich berichten. Doch heute noch einmal Brasilien satt.