Das Zusammenfinden

Liebe Linda, am 11. August schreibe ich im BLOG über das Zusammenfinden, von dem der Bildhauer Eduardo Chillida in seiner gleichnamigen Skulptur spricht. Eine große Sehnsucht spricht aus dieser Skulptur, Chillida ist Baske und der Freiheitskampf der Basken fordert immer wieder Menschenleben … ein Zusammenfinden, das wäre Frieden, liebe Linda, ich glaube nicht nur für die Basken, sondern für viele Menschen, gerade heute. Es lohnt sich darüber nachzudenken.

Wie können wir zusammen finden? Beginnen wir bei uns selbst. Mein bleibender Eindruck von unseren DD Tanztagen diesen Sommer ist das Zusammenfinden. Wir waren im Regen an der Seeve, kommen zurück und gehen am Abend in die Therme, am anderen Tag AATINI und da spüre ich es, wie es sich körperlich anfühlt, mein Zusammenfinden:

Mein Atmen verbindet sich mit meiner Bewegung. Meine Bewegung  wird zur Berührung. Aus der Berührung tauchen Bilder auf. Die Bilder verwandeln sich in Töne, Klänge, Geräusche, Laute, Gesänge. Mein Unterwegssein wird zum Ankommen. Loslassen zu Finden. Das weiche Wasser wird tragen. Die feste Erde wird durchlässig. Bewegung wird Innenhalten.

Lese ich den Text von hinten, liebe Linda, bleibt er in der selben Weise gültig: Innehalten wird zur Bewegung. Das Durchlässige wird feste Erde. Finden wird loslassen. Ankommen zum Unterwegssein. Gesänge, Laute, Geräusche, Klänge, Töne werden zu Bildern. Die Bilder berühren. Berührung ruft Bewegung. Meine Bewegung wird zu meinem Atem.

Das Zusammenfinden von Polaritäten, passiert das, wenn wir tanzen, liebe Linda? Tanz braucht Polaritäten um sich zwischen ihnen zu entfalten. Das ist mein Resümee, wenn ich zu dem Erlebten hinspüren in diesen gemeinsamen Tanztage vom 11.-20. August in der Tanzheimat Inzmühlen.

 

Grundsicherung

Liebe Linda, heute ist schon der dritte Tag von unseren Sommertanztagen angebrochen. Wir waren am ersten Tag bei strömendem Regen an der Seeve, ein wahres Caspar-David Friedrich Ritual, auf den Spuren unseres Atems hinein in die Verbundenheit mit der Natur. Am Abend aalten wir uns in den Wässern der Soltautherme, damit war unser erster Tag als Wassertanzritual perfekt.

Der zweite Tag führte uns zu den Bedürfnissen der einzelnen Teilnehmerinnen, die sich am ersten Tag in unseren Aktionen gezeigt hatten. Berührt lauschte ich dem, was die Tänzerinnen bewegt und sie aus ihrem Alltag mitbrachten. Am Nachmittag dann Dancing Dialogue. Die Parkbank in der Lüneburgerheide als Ausgangspunkt unseres Tanzrituals.

Auffällig war mir der gemeinsame Raum, den sich die Tanzpaare kreierten, den sie zwischen sich hin und her schoben, knautschten, dehnten … Finger, Hände, Berührungen, die den gemeinsamen Raum zum Begegnungsraum werden liessen. Das hat mich tief berührt, was es da zwischen uns zu erfahren gibt, aus dem gefühlten, gefüllten und verborgenen Inneren Raum heraus möglich wird an Begegnung, Hinwendung und Bewegung.

Nach dem dritten Durchgang von DD gab es dann in Abänderung des Tanzrituals erst Mal kein Gespräch als Austausch sondern eine gemeinsame Stimm- und Bewegungsskulptur der Gruppenerfahrung aus dem Tanzritual heraus. Whoow, das war mitreißend und begeisterte mich. Am Abend schauten wir noch die Fotos und Videos, die während der zwei Tage entstanden waren und sanken erfüllt in die Betten.

Grundsicherung im Leben, das meint Sence of Coherence. Wie können wir heraustreten aus Verunsicherung und frühem Leid? Wie können wir spüren, dass wir o.k. sind? Dass das Leben uns erkennt, einlädt und aufnimmt? Der Atem ist ein Weg dahin, er schafft es, wenn wir uns ihm zuwenden, dass wir vom flachen in einen tiefen und verbindenden Atemrhythmus übergehen können. Langsam entwickelt sich ein Körperbewusstsein der Sicherheit, den Herausforderungen im Leben gewachsen zu sein.

Im Hier und Jetzt. Einen Atemzug nach dem anderen spüren wir unsere Verbundenheit mit unserem Inneren, mit dem Wasser um uns, mit der Natur und mit unseren Mittanzenden. Verbundenheit in Bewegung, im Auf und Ab des Atems, der kommt und geht, sich unseren Aktivitäten anpasst und uns eine Ressource geworden ist.

 

Der Tanz mit dem Atem

Liebe Linda*

*Linda wird gerade meine fiktive Gesprächspartnerin, da Schreiben ein verdammt einsames Geschäft ist habe ich mir LINDA als Gesprächspartnerin kreiert, sie ist nicht verwandt oder verschwägert mit anderen Lindas und steht für jedes meiner Lesegegenüber.

Also, noch mal,

liebe Linda,

gestern habe ich sehr viel Theoretisches geschrieben. Heute morgen liege ich im Bett in Inzmühlen und die Theorie breitet sich in die Praxis hinein aus. Ich liege auf dem Rücken und suche eine schmerzfreie Position für meine Hände und meine chronisch entzündeten Sehnen. Step number two: ich denke Atem. Gut, doch wo ist mein Atem? Ich versuche mir meinen Atem bewusst zu machen und damit beginnt die Reise in meinen Körper, zu meinen solutogenetischen Ressourcen, zu meinen Coping- und Reselienzkompetenzen, zu meinem Sence of Coherence. Davon sprach ich gestern.

Ich atme und spüre eine leichte Bewegung dabei im Brustbein, mein Brustbein wird mir präsent, es modelliert sich aus dem Gesamtgefühl Körper, Brustkorb heraus. Da ist es. Es erinnert mich an den Leib einer Libelle. Ich spüre, wie mein Zwerchfell und mein Bauch nicht da sind. Schicke einen bewussten Atemzug in den Bauch. Meine Bauchdecke wölbt sich nach vorne, zu den Seiten aber auch nach hinten zur Wirbelsäule, nach oben zum Zwerchfell und nach unten zum Beckenboden und den Leisten.

Sence of Coherence, Zusammenhänge, ich spüre wie mein Atem mich mehr und mehr mit mir und meiner Körperlichkeit verbindet. Diese Verbindung ist als Copingressourcen unendlich wertvoll, sie hilft uns Bewältigungsstrategien für Stress zu entwickeln aus dieser empathischen Verbundenheit mit dem eigenen Körper heraus.

Es geht weiter mit dieser Verbundenheit, wie wir in den HKIT sagen. Linguistisch ist der Unterschied von hängen (zusammenhängen) und binden (zusammenbinden, verbinden) interessant. Das Binden scheint mir aktiver als das Hängen? oder was meinst du Linda? Eine wichtige Methode zur Verstärkung des Körpergefühls, das Grundlage und Ausgangspunkt jeden Selbstgefühls ist, stellt das Greifen, Angreifen, Begreifen dar. Ich fasse also nach meinem Atem. Ich greife nach ihm. Ich lege meine Hände auf den Bauch und fange an Sie intuitiv über den Körper gleiten zu lassen, in tiefer Verbundenheit mit meinem Atem.

Meine liebe Linda! Das verstärkt mein Selbstgefühl, wie das Schiffer nennt, den ich gestern zitiert habe. Er spricht von einem starken Selbstgefühl als wichtigster Copingressourcen, also um Stressoren zu bewältigen, so dass sie mich nicht aus den Latschen kippen und ich bei mir bleibe, wo andere schon längst aus dem Häuschen geraten sind, da hilft mir diese Körperverbundenheit im Atem.

Immer und überall kann ich in Situationen die mir den Atem rauben meine Hände auf meinen Körper legen und zu Ihnen hin atmen, liebe Linda, ja, es kann sein ich muss es gar nicht mehr tun sondern mein Körper erinnert sich an meine warmen und weichen Handflächen und fährt schon gar nicht hoch. Uns selbst empathisch, in einem echten Kontakt, entgegenzukommen ist äußerst heilsam, wie wissenschaftliche Forschungen uns Praktikerinnen heute bestätigen können.

Dass der Körperbezug in den HKIT spielerisch, also ein Tanz mit dem Körper wird und nachhaltig in unseren Alltag ineinander wirkt und nicht als ungeliebte Atemübung im Widerstand hängen bleibt, dazu braucht es Übung, das Praxisfeld in der Gruppe, darauf freue ich mich heute Vormittag, auf das gemeinsame Atmen, liebe Linda, ich weiß nicht was mich mehr nähren könnte. Denn das passiert eben auch, wenn wir anfangen den unbewussten Atem bewusst wahr zu nehmen, dass wir die Momente in der Vergangenheit erinnern, in denen wir nicht geatmet haben, in denen wir den Atem angehalten haben, in denen wir Atemblockaden errichtet haben.

Erinnerungen, Bilder, Schmerz. Damit sich zeigen und gesehen werden, das ist genau so, wie in dem Text von John Berger gestern liebe Linda. Wir fangen an zu spüren, wie das Leben uns ansieht, erkennt und aufnimmt. Dafür brauchen wir andere, einst die Mutter, die nährt, heute die Gruppe, die nachnährt. Damit beruhigt sich der Schmerz und kann anderen Gefühlen wie Glück, Freude, Verbundenheit weichen.

Dabei begegnen wir ganz zufällig einem Heilungstanzritual aus der Tradition der Yoruba, dem Tanz Omulus. Dieser Orixa lädt uns ein: Zeige Deine Wunden! So kann Omulu, die die Welt mit Pocken und Pest übersäht zur großen Heilerin werden, zur Schutzpatronin von ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen.

Liebe Linda, vielleicht hast du ja Lust den Tanz mit dem Atem selber einmal auszuprobieren? Daheim oder in einer HKIT Übungsgruppe? Empathie ist das Schlüsselwort zu einem erfühlten und erfüllten Leben. Aber, wem sage ich das? morgen Berichte ich dir mehr.

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RBB, Performance Berlin 2009, Homage an Josephine Baker

 

 

 

Sence of Coherence

Sence of Coherence, Salutogenese, Coping … diese Wörter schwirren in meinem Kopf herum. Was bedeuten Sie? Sinn für Zusammenhänge? Gesundheitslehre im Gegensatz zur Pathogenese, der Lehre von dem, wie wir krank werden? Bewältigungsstrategien? Alles so ungefähr aber höchst spannend.

Ich bin in die Forschungen von Karoline Bitschnau eingetaucht zur Wirkung der GFK und denke parallel darüber nach, inwieweit die GFK die HKIT bereichert und wo die HKIT in weitere Zusammenhänge führen.

Ein spannendes Feld. Heute packe ich für meinen 14tägigen Aufenthalt bis Anfang September in Inzmühlen. Das Wetter sagt Feuchtgebiete, gerade recht für Nana, Yemanja und Oxum, die alle drei nahe am Wasser gebaut haben. Zusammenhänge sind es, die wir brauchen um uns wohl zu fühlen, unsere Welt verstehen, mit dem was auf uns zukommt umgehen können, einen Sinn sehen in dem, was wir tun.

Das sind die Hauptfaktoren, die unser Wohlergehen bestimmen, wenn ich mal das H von HKIT in ein W wie Wohl verwandeln darf. Dazu brauchen wir in erster Linie ein starkes Selbst das sich entwickeln kann in einem Umfeld das uns echte Empathie schenkt, einen echten Kontakt ermöglicht mit uns selbst und den anderen. Darin sind wir in den HKIT gut aufgestellt. Wir haben eine Menge an Handwerkszeug, das individuell  abrufbar ist im Hinspüren zu dem, was wir gerade jetzt brauchen.

8 Tage Dancing Dialogue und 8 Tage Supervision liegen vor mir, ein wichtiges Übungsfeld für HKIT um uns zu stärken den Alltag tänzerisch zu nehmen. Bei meinem Vortrag zum Forum werde ich genauer eingehen auf die Forschungen von Antonovski, Schiffer und Bitschnau zu Sence of Coherence, Salutogenese, Copingressourcen, Reselienz und Empathie. Keine Angst, das was da erforscht wurde kennt Ihr aus den HKIT bestens.

Es geht darum Zusammenhänge herzustellen und da fällt mir ein Text über Eduardo Chillida in die Hände, den wir vor 20 Jahren als Bühnentext bei Auftritten in Kleve und Umgebung verwendet habe. Der Text gehört zu einer Skulptur, die er Elkartu – Das Zusammenfinden nennt.

Zitat

Für Eduardo Chillida steht die Beziehung von Material und Raum im Mittelpunkt. Dabei interessiert ihn weniger der Raum, der seine Skulpturen umgibt, sondern vielmehr jener, den die Formen selber erschaffen, der in ihnen lebt und der, seiner Ansicht nach, umso wirksamer ist, je stärker er im Verborgenen wirkt. Raum, so sagt er, muss ebenso erfühlt werden können, wie die Form, in der er sich manifestiert.

Zitat Ende

Diesen Text in Zusammenhang gestellt mit unserer Tanzarbeit führt vom Fühlen zum Füllen zur Fülle. Darauf freue ich mich diesen August.

https://www.google.de/search?q=elkartu+eduardo+chillida&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de-de&client=safari#imgrc=DE0B-vedAdP6-M:

Heilsame Bewegungen

Heute eine Reflexion von RBB über 15 Jahre DD zu meinem Lieblingsthema: Angewandte Kunst. Denn was nützt es uns „abzutanzen“ wenn wir es nicht schaffen, die im Tanz freigesetzte Energie als Lebensenergie in unser Leben zu integrieren. Wie dies gelingen kann, dazu haben sich vor fast 20 Jahren eine Schar von ungefähr 10 Tänzerinnen aufgemacht. Nach dem Motto: Nimm Deine Caoch und tanze.

Wir wollten uns nicht wie Van Gogh das Ohr abschneiden aus Schmerz und Verzweiflung …, wir wollten, dass die Kunst die wir machen Früchte trägt und die heilsame Energie zum Tragen kommt, die der Tanz zu bieten hat, in unserem Leben und auf der Bühne, weithin gelbstrahelnd sichtbar, wie die Sonnenblumen von Van Gogh. Auf dem Polster der HKIT starteten wir, allesamt Tanztherapeutinnen HKIT. RBB kam kurz darauf zu uns und heute, nach 15 Jahren hat sie als würdige Repräsentantin von DD etwas zu sagen über die Heilenden Kräfte im Tanz und den Dancing Dialogue, die Bühnenarbeit der HKIT. Hier Ihre Rede nach 15 Jahren DD:

Gerade bewerbe ich mich in meinem Beruf für eine neue Arbeitsstelle bei zwei Arbeitgebern: Beide Gespräche waren wirklich richtig gut…sehr freundliche Menschen, die sehr ehrlich kommuniziert haben und ich mit ihnen.

Hierbei habe ich meine jahrelange Bühnenpräsenz gespürt…weißt du, so wie wenn ich auf die Bühne mit DD gehe. Ausgerichtet, mich spürend, in mir sein, zu mir stehend, ehrlich sprechend… genau zuhörend, was vom Gegenüber kommt. Richtig gute Dialoge, die so entstehen konnten. Weißt du, ich habe ganz tief in mir meinen Wert fühlen können…meine lange Berufspraxis, einen Wert, der mich trägt, hält und schützt…und die Biodynamik sowie die lange DD-Zeit….ein echter Reichtum, den ich in mir aktiviert habe.

Ja, neue Lebens-Bühnen-Aufgaben stehen an…neue Bühnenbilder wird es geben…und ich habe richtig Lust drauf…

Da ist ein lebenswichtiges „Etwas“ ganz tief in mich hineingerutscht, hat sich fast unmerklich in mir ausgebreitet, so dass ich seit einigen Wochen Luft unter meine Lebensflügel bekommen habe und gleichzeitig mit beiden Beinen auf der Erde stehe. Und wenn es brenzlig wird, fällt mir mein Handwerkszeug aus DD wie vom Himmel zu: ATMEN, einfach bleiben auch wenn´s röttert, und schüttelt …bleiben…bei mir sein…auch wenn sich alles wie ein Turbo beschleunigt und ich kirre werde….

ATMEN…ATMEN…BLEIBEN…bei mir BLEIBEN…innehalten, um den tragenden Bewegungs-, Handlungsimpuls zu spüren…WARTEN können…

Dann beobachte ich einen Frequenzwechsel, der mich ins Heute Hier und Jetzt führt…mich im Hier und Jetzt spüren lässt, wer ich bin, was mir wichtig ist und wo meine Lebensfallen lauern. Nämlich darin, dass meine alten Geschichten in Wort und Tat dominant werden möchten, wo das Ego und alte Kamellen dazwischen hauen und nur Schmerz dabei herauskommt. Auch das darf sein und lässt sich nicht immer vermeiden. Dazu bin ich Mensch, der verletzlich ist. Dieses anzunehmen, dass ich nicht weiß, wo links und rechts ist und warten zu können…genau das trägt mich liebevoll.

Meine Wege gehen…gehen…gehen…Welch ein Geschenk, was mich demütig auf mein Leben schauen lässt…wie geführt es ist…da wo es Weg-Kreuzungen gibt und erstmal das Chaos in mir ausbricht, genau da beginnt sich eine neue erst einmal unsichtbare Ordnung zu formen….und das braucht Zeit, um in die Sichtbarkeit zu treten…das braucht Raum und Zeit. Dieser Prozess lässt mich spüren, wie Leben eigentlich gemeint ist… es meint: nicht aus verbeulten Konserven zu leben, die seit Generationen unendlich wiederholt geöffnet werden, ohne zu reflektieren und zu schmecken, ob der Inhalt heute noch bekömmlich ist.

Es heißt jetzt: das Risiko in meine Hände und Füße zu nehmen, um wie im Dancing Dialogue aus dem Jetzt zu schöpfen. Es wagen auszuprobieren, wie sich Leben aus dem sensomotorischen Raum nährt, wagen Bewegungen zu erfühlen, mich mit ihnen zu füllen. Mir meine Erlaubnis zu geben mich mit echtem Leben zu füllen, das mich trägt, hält und schützt. In Gemeinschaft wie ich/wir es lange Jahre in DD „geprobt“ haben. Es fühlt sich jetzt für mich nach reicher Ernte an, durch all die Prozesse mich bewegt und getanzt zu haben.

Die Kunst und besonders unsere DD-Kunst haben mir beigebracht, Bewegung in Alltagssprache zu übersetzen, auch während der Behandlung meiner Patienten. In meinem Arbeitsalltag arbeite ich ja nicht direkt mir DD-Kunst, wie ich immer sage, doch im übertragenden Sinne tue ich es in jeder Sekunde meines Lebens. Nur manchmal werden meine Innenräume zu eng, dass ich mich nicht mehr spüre und im Funktionieren verharre. Auch das will gekonnt sein….

Innehalten und Atmen öffnen mich dann wieder, um das leise Flüstern wieder zu hören, das mir sagt wie ich in echt gemeint bin. Mein Herz, meine Seele, jede Zelle meines Körpers spricht zu mir, bewegt mich, ohne dass ich oftmals weiß, wohin die Reise geht…Vertrauen darauf, dass alles gut ist und wird. Das habe ich in unserer DD-Gemeinschaft gelernt, gelernt, nämlich zu geben und zu nehmen, etwas zu wagen, abzuwägen, mir zu vertrauen, anderen zu vertrauen, zu experimentieren ohne dass ein nach meinen Vorstellungen erdachtes Ergebnis raus kommen muss, ganz im Gegenteil, mich überraschen zu lassen, was das Leben alles bereit hält…

Meinem freien Bewegungsimpuls folgen….FOLLOW ME…und dieses „Follow me“ ist das größte Lebensabenteuer…da kann´s mir schon mal schummerig werden…

Es fühlt sich gerade so an während ich hier schreibe, ja wie eine Liebeserklärung an mich selbst, für meinen Lebensweg…eine Würdigung für mein Sein und ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit, dass ich all die Menschen getroffen habe, die mich auf meinem Weg begleitet haben, von denen ich lerne durfte und die von mir lernen durften…

Was haben wir DD-HKiT-Frauen für viele weite Reisen im Innen und Außen gemacht, ja Welt-Körper-Raum-Zeit-Reisen, welch ein Schatz… DANKE dafür an uns Tanz-Frauen… und wir tanzen weiter;-))…Let´s rock the planet…RBB

Dancing Dialogue Tanzakademie

Das Wort Tanzakademie DD kommt mir immer dann, wenn ich beginne über unsere tänzerische Arbeit zu reflektieren, das im sensomotorischen, künstlerischen Raum erfahrene in Worte zu übertragen. Im Blog gestern bezog ich mich auf die Tanzakademie DD im Wasser und die Nähe unserer „Tanztechnik“ zu therapeutischen „Techniken“. Da braucht es wirklich die Gänsefüßchen, weil Technik??? Es ist mehr eine Kommunikationskultur die wir da entwickeln aus Bewegung und Begegnung.

Heute fällt mir ein Text auf, den ich nach einem Besuch in Hellerau 2014 schrieb. Akram Khan und Israel Galvan – torobaka, eine atemberaubende Tanzerfahrung zwischen Flamengo und Kathak. In diesem Text reflektiere ich in einer Tanzakademie Dancing Dialogue und denke nach über die Größen die wir künstlerisch bewegen und tänzerisch auf die Bühne bringen.

Eine Vorbereitung auf den DD-Tanzsommer vom 11.-20 August 2017 in Inzmühlen.

 

 

Impressionen zu Akram Khan aus dem Begleitheft zu torobaka, Hellerau 2014

http://www.hellerau.org/torobaka

Zitatebene

Der westliche Körper ist mit Wissenschaft imprägniert, der östliche noch immer spirituell. Wer in Indien tanzt, berührt und würdigt zuerst den Boden, den Raum, die Anwesenden. Das ist eine zeremonielle Handlung, ein Eröffnungsritual. Natürlich wird damit etwas anderes erzeugt als mit einem warm up westlicher Prägung.

Bis die Löwen ihre eigene Geschichte erzählen wird die Geschichte der Jagd immer den Jäger verherrlichen. … Bis die Frauen ihre Geschichte erzählen, wird die Geschichte stets die Männer verherrlichen.

Er hat gelernt, sich in fremde Schuhe zu stellen, manchmal sogar als Künstler: „Anders könnte ich mit Balletttänzern gar nicht arbeiten, sie kommen nun mal aus einem anderen Kosmos. Aber sie verfügen über einen unschlagbaren Vorteil: Während zeitgenössische Tänzer, was Körper- und Bewegungstechnik angeht, ein massives Defizit haben, weil in der Ausbildung viel zu wenig Wert darauf gelegt wird, können klassisch trainierte Kollegen ihr Handwerk im Tiefschlaf ausüben. Und das muss ich von jedem Profi in jeder Tanzrichtung verlangen. Für mich ist es völlig einerlei, ob jemand aus HipHop, Ballett, Kathak oder aus dem Zeitgenössischen kommt – er muss das, was er tut, perfekt beherrschen und reflektiert damit umgehen können.“

Reflektionen von G.F. zu dem Artikel über Akram Khan, weltberühmter indischer Tänzer aus London

Wie erreichen wir das in DD? Das, was wir tun perfekt können und reflektiert damit um gehen? Wo steht da die Körper- und Bewegungstechnik der HKIT? Wo liegen unsere Stärken darin? Basics HKIT – wenige, doch schwer beherrschbar, es dauert lange bis wir wirklich aus dem Bauch heraus also aus dem Becken heraus uns bewegen, aus dem Zentrum des Körpers und nicht aus der Peripherie.

Da brauchen wir vielleicht noch mehr Bewegungsstudien und immer wieder gucken beieinander. Ich denke es ist auch wichtig Pausen, Stopps, schnell, langsam, also mit den Gegensätzen spielen zu lernen, ebenso wie mit den Gegensätzen der Basics HKIT. Dann geht es bei uns um etwas völlig anderes als Technik im Umgang mit dem Körper wir bewegen uns aus einem anderen Antrieb heraus. Wie Akban schon sagt, da gibt es Kommunikation mit dem Raum, mit den Zuschauern, mit den Mittanzenden, da gibt es innen und außen, das sich gegenseitig bedingt, in Dialog zu bringen ist.

Dieser Dialog erst macht das Tanzen möglich, nicht eine Spiritualität die eine perfekte Tanztechnik entwickelt hat wie bei Akram … „Und sie rührte sein Kleid an“, davon spricht die feministische Theologin Carter Heyward schon in den 1970iger Jahren. Sie sagt, „Wenn Gott uns liebt, braucht Gott uns. Ein Liebender braucht Beziehung – wenn aus keinem anderen Grund, dann um zu lieben.

Die Spiritualität von DD entsteht in der Begegnung auf der Bühne, der Begegnung mit uns selbst, den Mittanzenden, dem Publikum, dem uns umgebenden Raum, aus unserer Beziehung als Geschaffene mit der Schöpfung heraus, aus Nähe und Distanzen. Wir performen mit realen Energien, daraus entspringt unsere Choreografie. Wir tanzen frei, nicht vorgegeben, das setzt eine enorme Tanztechnik voraus, die ich so nicht bezeichnen würde, weil es eben nichts Technisches an sich hat sondern eher etwas Kommunikatives.

„Ich beginne meinen Tanz, indem ich zu mir hinspüre. Ich spüre meinen Atem, wie er kommt und geht. Ich nehme meine Muskeln wahr, die die Atembewegung weiter in meinen Körper tragen. …“ Mit diesem Worten beginnt das Tanzbuch In der Fülle baden, 2003. Da geht es nicht um eine Atemtechnik sondern um Response um Antwort und Verantwortung, um Schöpfung und Geschöpfsein (1. Moses 2,7).

Es geht darum gleichzeitig mit möglichst vielen Ebenen im Gespräch  zu sein, in mir und um mich, daraus entsteht der Tanz in Dancing Dialogue. Er ist ein Zeugnis dieser Kommunikation in diesem Augenblick, der nie mehr derselbe sein wird. Wir erschaffen uns sozusagen unseren Ritualplatz tanzend in dem wir unseren inneren Tanzplatz mit Raum und Zeit des neuen Ortes in Korrespondenz bringen und indem das die ganze Gruppe tut entsteht ein kommunikativer Raum, vergleichbar mit einem Chatroom.

Innen- und Außenräume der Tanzenden korrespondieren miteinander, hinzu treten die ZuschauerInnen und ihre Räume, hinzu tritt die Geschichte der Beteiligten und diese Geschichte korrespondiert wieder mit der Geschichte des Ortes an dem wir tanzen und so öffnen sich Zwischenräume um Zwischenräume.

Die Tanztechnik hierfür ist das Fühlen und das Füllen. Nur ein gefüllter Körper hat die Kraft dem Raum entgegen zu treten, wie Merleau Ponty meint, der Raum ist eine Funktion des Leibes, also durch die Nähe zu uns selbst erwächst erst der Raum um uns, entsteht er, kann er Gestalt annehmen, eine in dieser Tanzform erfahrene Gruppe kann so ungeahnte Räume kreieren.

Reden wir also von diesen neuen Qualitäten im Tanz, die Dancing Dialogue anstrebt und überlassen wir es nicht den Jägern die Geschichte der Jagd zu erzählen.  „Bis die Löwen ihre eigene Geschichte erzählen wird die Geschichte der Jagd immer den Jäger verherrlichen. … Bis die Frauen ihre Geschichte erzählen, wird die Geschichte stets die Männer verherrlichen.“

Anknüpfend an dieses Zitat sprechen wir also über Tanz als soziales Erlebnis, indem wir miteinander und voneinander lernen, wie Zusammenleben möglich wird, als Ort der Sozialen Plastik, die immer auch heilsam ist. Erzählen wir unsere Geschichte des Tanzes, die bestimmt ist von den Spielqualitäten: Freiheit, Spontanität, Verschwendung, Eigenbewegung, Kommunikation. Das will Tanzakademie DD. G.F.

 

Dancing Dialogue im Wasser

Im Augenblick arbeite ich zu unserer tänzerischen Wasserarbeit, in ihrer therapeutischen oder tänzerischen Ausprägung. Die Beteiligung an Global Water Dance brachte unserem Blog viele Klicks aus der ganzen Welt, von Kanada bis Südafrika interessierten sich TänzerInnen für unsere Wasserarbeit. Ich  berichtete im Blog vom 25. Juni 2017 darüber.

Dort stellte ich auch den Kommentar von RBB ins Netz, in dem sie davon schreibt, wie sie in den 15 Jahren HKIT zum Wal wurde. Beim Lesen dieses Kommentars erinnerte ich spontan eine Berührung an meiner Körpeseite und mir viel ein, dass ich meine Begegnung mit diesem Wal schon einmal aufgeschrieben hatte.

Im Tanzbuch „In der Fülle baden“ wurde ich gestern fündig. Auf Seite 65: … Langsam gleitet ein Körper an meiner Seite entlang. Und wie ein Reißverschluss öffnet sich meine Präsenz. Ungeahnte Möglichkeiten: Kommunikatin, Korespondez, Resonanz! … Da war es, als ich 2002 in der Therme von Peter Zumthor in Vals den Wal spüren konnte, von dem RBB heute schreibt.

Eijeijei denke ich, Zeit, was ist schon Zeit in der Kunst, im Tanz, in der Therapie. Ich schmökere weiter in dem Tanzbuch von 2003 und klebe mir kleine Notizzettel auf die Seiten mit den Themen, die ich vor 15 Jahren in diesem Tanzbuch sehr treffend formuliert habe zur Verbindung von Wasser und Tanz und die Tools, die sich daraus für DD im Wasser ableiten. Hier die Stichpunkte:

S 17 Anleitung zum Dancing Dialogue über den Atem

S 23 Künstlerische Hintergründe von DD und ihre Verbindungen mit der Bildenden Kunst

S 29/ 47 Andere Wirklichkeiten im Wasser, im Tanz, in der Kunst, in der Therapie

S 35/59 Oshum – die Orixa von Reichtum, Schönheit und Glück … die weiblichen Orixa Nana, Yemanja und Oshum haben einen Wasseraspekt

S 41Künstlerische Themen die uns im Wasser bewegen:Innenraum und Außenraum, Rhyhtmus und Meldodie,  das Zuendeführen einer Bewegung.

S S 59 Wilhelm Reich, öffnen und schließen als Ursprung aller Bewegung

S 65 Wasser und Tanz als Begegnungsräume, Bewegungsräume, Kommunikationsräume

S 71 In Bewegung beheimatet sein

S 85 Flüssigkeitsebenen: Bewegung gebend und Form schaffend

S 88 Künstlerische Beziehung versus therapeutische Beziehung

Diese Themen zeigen, wie nahe in Dancing Dialogue Therapie und Kunst beieinander liegen, oft werden mit den Themen gleichzeitig künstlerische und heilsame Aspekte des Tanzes thematisiert. Wenn z.B. Elke Wagner beschreibt, wie sie mich unter Wasser fotografiert hat, in welche Nähe sie eintreten musste, um diese Fotos machen zu können, in diesen Dialog eintreten zu können mit dem Sujet, so liest sich das für mich gerade so, wie eine Anleitung für eine KörpertherapeutIn in einen wirksamen Kontakt mit ihrer KlientIn zu kommen. S 88

Gleichzeitig findet sich in diesem Tanzbuch eine Fülle an Anregungen und  künstlerischem Handwerkszeug, wie wir in den Tanz mit dem Wasser eintreten können und spüren können: Das Wasser erlebt mich.

Beim Forum, 25.-27. August 2017, werde ich mit den anwesenden DDs auf dem roten Sofa darüber sprechen, wie sich die künstlerische Arbeit mit dem Wasser entwickelt hat. Eine spannende Geschichte.DSC05325

Slow Travelling

Blogeintrag am 20. Juni 2017 … Brasilien Special … hier habe ich den informativen Kommentar, den mir Heike Richter zu unserer gemeinsamen HKIT Tanzstudienreise geschickt hat eingefügt und mache gerne an dieser Stelle noch einmal auf die Möglichkeit Aufmerksam mit mir ab November 2017 auf Orixaspurensuche zu gehen. Das Foto entstand bei unserem Besuch des Altstadtkarnevals in Salvador im letzten Jahr.

 

Tanzend älter werden mit DD

Vielen Dank nochmal Linda für den Link nach Australien zu dieser wunderbaren Tänzerin Eileen, siehe vorausgegangener Artikel. Auf unseren Australienreisen haben wir „Young in the Heart“ kennen gelernt, ein Reisebus 90+ und hatten viel Spaß. Leider erreichen die Aborigines dieses biblische Alter weniger, schwere eingeschleppte Erkrankungen wie div. Hepatitisformen u.a. sorgen dafür dass sie meist früh sterben. Nicht so Minni Pwerle und ihre Schwestern. Sie waren singende, malende und tanzende Hüterinnen des Dreamings ihres Stammes und große Künstlerinnen und haben manches überlebt. Siehe den Link.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Utopia_(Australien)

Gerne möchte ich in diesem Zusammenhang auf unseren Workshop LEBENSTANZ im Rahmen von Dancing Dialog Class aufmerksam machen. Vom 1.-5. November 2017 werden wir auf Anregung unserer Senior Dancers in tänzerischen Dialog eintreten mit unserem Leben und schauen, welche Tänze dabei entstehen, welche Ungereimtheiten sich durch unser Leben ziehen ebenso, wie der Puls unserer Tage.

Die Rhythmen unseres Gesamtkunstwerks Leben können sich offenbaren und unsere ureigene lebenslange Lovestory kann sich zeigen, ganz wie auf dem Video von Eileen Kramer am Meer oder auf den Bildern von den Pwerle Schwesten, ihre Tänze können wir nur ahnen, sie bleiben uns leider verborgen.

https://www.google.de/search?q=minnie+pwerle+paintings&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de-de&client=safari

Dank der großen Nachfrage ist sogar schon ein Folgeworkshop geplant, vom 3. – 8. April 2018. Diese DD Veranstaltungen sind nicht nur für Tänzerinnen 70+ sondern auch für Tänzerinnen offen, die mehr darüber erfahren wollen, wie HKIT und Tanz im Alter gehen kann, sozusagen eine berufliche Fortbildung um ein bisschen mehr Kunst in Bewegung in das Seniorentanzangebot zu bringen.

Bitte im Institutsbüro rechtzeitig anmelden. 😘