HÄNDE

Liebe Linda, endlich habe ich mich zu diesem bereits angekündigten Thema durchgetanzt, obwohl es noch viel zu sagen gäbe zu dem Thema Tanz und Kunst, hier jetzt der Schwenk zu HÄNDE.

Beginnen möchte ich mit einer Korrespondenz zwischen Yvonne Middelborg und mir, die das Thema überhaupt in Schwung brachte. Bestimmt fällt Dir zu dem Thema auch so einiges ein. Ich freue mich über eine rege Beteiligung in den Kommentaren. Morgen geht es dann weiter mit ausgewählten Übungen. G.F.

hi Yvonne, Du hast mir geschrieben, dass Du meine Hände gesehen hast bei unserem letzten Treffen und sie Dir aufgefallen sind, HÄNDE wäre ein tolles Thema für ein HKIT-Wochenende-Special. Hier ein erster Entwurf:

Ich fände es toll, wenn qualifizierte Physiotherapeutinnen aus den HKIT von ihrer Sicht über den Aufbau der Hände anatomisch sprechen und auch über Meridiane und so …

Dann wäre es toll, zwei HKITlerinnen zu haben, die Berichten, wie Hände wirken. Also ein Vortrag – 15 Min – DIE HÄNDE MEINER THERAPEUTIN – und ein Vortrag – 15 Min – MEINE HÄNDE ALS THERAPEUTIN und anschließende Diskussion, so dass wir noch mehr Erfahrungen sammeln können.

Wir beiden würden dann das Begleitprogramm machen, also die Körperarbeit und die Leitung der Diskussion und die einführenden Reden und so …

Dann denke ich, Du könntest noch was anbieten wie KÖRPERARBEIT UND TANZ MIT DEN HÄNDEN für KIDS – Vortrag und Praxis

Ich könnte noch einen Vortrag halten zu der Arbeit mit den Händen bei Anna Halprin und der Verbindung zu Gefühlen und Bildern und dem sensomotorischen Raum, wie sie den hergestellt hat …

Das wäre denke ich genug, müsste natürlich alles noch gefüllt werden und bestimmt hast du auch noch Ideen, dann könnten wir das 2018 anbieten, vielleicht auch speziell für Kindergärten, Schulen … Senioren wäre auch gut … weil im Alter kommt ja dann das Rheuma, die Gicht, die Knoten und alles oder wie bei mir die Sehnenscheidenentzündungen … also, wir könnten uns da auch noch weitere Zielgruppen ausdenken und es dann auch öffentlicher Ausschreiben oder einen Artikel darüber veröffentlichen in der Apothekenrundschau oder in Fachzeitschriften … schauen wir mal …

schreib mir doch mal, was du für Ideen hast …

Yvonne Middelborg schreibt mir zurück:

Ich denke da noch an „Handperformance“ vielleicht auch unter Einbezug der von mir bewunderten Künstlerin Louise Bourgeois und ihren Skulpturen Helping Hands

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwi43N2jxZXTAhWG2BoKHUoQDqQQtwIIGjAA&url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DiifBb67xdcI&usg=AFQjCNHYCsVwXCCmLO8JBDeQI9joAVV9jQ

ein weiterer kleiner Gedankenimpuls

Ausstellung „Tanz der Hände“ : Im Rausch der Gesten

Eine Ausstellung im Verborgenen Museum lenkt den Blick auf feine Glieder und starre Finger.

von Angie Pohlers

Fingerspiel. Die Tänzerin Hedy Pfundmayr um 1930 als Elektra.

Fingerspiel. Die Tänzerin Hedy Pfundmayr um 1930 als Elektra.

Hände sind zum Greifen da, zum Zupacken, für viele heute vor allem zum Tippen. Ein normaler Alltag ist ohne sie unmöglich, das macht sie so ungemein wichtig – und den Menschen im Grunde überhaupt erst aus. Ein großes Hirn alleine nützt eben nichts.

Was Hände aber nicht primär sind: Künstlerisch wertvoll, mystisch, bezaubernd. Im Wien und Berlin der 1920er Jahre war das Tanzpublikum jedoch ganz verrückt nach feinen Fingergliedern und zuckenden Gelenken. Die Ausstellung „Tanz der Hände“ im Verborgenen Museum will dieser Faszination nachspüren und zeigen, woher sie kam.

Es ist die Zeit des kreativen Aufbegehrens, der Tabubrüche, der Sinnsuche angesichts der Folgen des Ersten Weltkriegs und der instabilen politischen Lage. Die Psychoanalyse bekommt Aufwind und mit ihr das Interesse an dem, was sonst im Dunkeln bleibt. Die Hand entwickelt sich zum Symbol der Seele, das Lesen von Lebenslinien kommt in Mode.

Flatternd, kreisend, faszinierend

In Berlin fertigt die Chiromantikerin Marianne Raschig tausende Handabdrücke an. Auch die Wiener Ballerina Hedy Pfundmayr (1899–1965) kommt zu ihr, der Abdruck wird im Verborgenen Museum gezeigt. Gemeinsam mit Tilly Losch (1903–1975), ebenfalls Solotänzerin an der Staatsoper, und dem jungen Grotesktänzer Harald Kreutzberg tritt Pfundmayr bei den Salzburger Festspielen 1927 mit dem „Tanz der Hände“ auf. Und tatsächlich sind die Hände der Künstler die eigentlichen Stars der Aufführung. Hell ausgeleuchtet erscheinen sie, als führten sie ein Eigenleben, während die Körper der Tänzer im Dunkeln verschwinden.

Wie das ausgesehen haben könnte, zeigt ein kurzer Stummfilm von Norman Bel Geddes aus dem Jahr 1928. Darin lässt Tilly Losch ihre erstaunlich beweglichen Hände flattern, kreisen, windet sie umeinander, ständig verkrampfen und lösen sie sich wieder – es ist ein faszinierendes Spiel, man kann nicht aufhören hinzusehen.

Daneben sind in der Ausstellung vor allem Fotografien zu sehen. Die kunstvoll arrangierten Finger verharren im Moment, was einen anderen, nicht unerheblichen Reiz hat. Die Bilder sind wegen der schwierigen Lichtverhältnisse auf den Bühnen allesamt im Studio entstanden, hinter der Linse standen Fotografinnen und Fotografen wie Trude Fleischmann, Lotte Jacobi und Rudolf Koppitz. Zu Beginn des Rundgangs durch die zwei Räume verweisen Aufnahmen der berüchtigten Berliner Nackttänzerin Olga Desmond von 1906 auf die Wurzeln des Ausdruckstanzes – auch sie bezog ihre Hände bereits bewusster ein. Mehr als zwanzig Jahre später spitzen Pfundmayr, Losch, Kreutzberg und andere das Stilmittel zu und stellen Handteller und Finger …

Ich antworte darauf Yvonne M.

danke für die Ergänzung zum Händeforum … GESTEN … interessant, dass ich so gar nicht daran dachte … Mudras … der ganze indische Tanz, viel Verständigung läuft ja über Gesten … da sind wir wieder auf der Ebene der Symbole, der Interpretation von Bewegung in der kognitiven Entwicklung … das ist sehr spannend … die Bourgious Skulpturen lassen mich an die Hände denken, die Eduardo Chillida gemalt hat, in seine beginnenden Parkinsonerkrankung hinein … auf feinem dünnem Papier, Finger an Finger und dabei die Beziehung der Linien zueinander, dort wo sich die Linien kreuzen.

Entscheidendes Merkmal vieler Handstudien ist die Berührung der Finger, wodurch beispielsweise zwei der linear umgrenzten Nägel aufeinander treffen. Dadurch kommt es zu einem gewissen dramatischen Effekt, wenn auch an sich kein Anlass für eine Erzählung angegeben ist, wie er im Zusammenhang mit einer Tätigkeit der Hand vermittelt werden könnte.“ Zitat Graevenitz, Eduardo Chillida ELKARTU, 2001 Moyland, S 35.

… wäre sehr spannend, diese beiden Künstler miteinander zu vergleichen … auch Elkartu, eine Skulptur von Chillida, eine Hand die Einkerbungen und Löcher bildet in den sie umgebenden Raum …

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Kunst und HKIT

Heute liebe Linda, eine Zusammenfassung der letzten Blogeinträge in denen wir die Kunstfrage diskutierten.

Pädagogik, Therapie und wo bleibt das T wie Kunst in den HKIT?
Tanz hat viele Gesichter und ist nicht immer Kunst.
Doch wann ist Kunst Tanz?
Dieser Frage gehen wir HKITlerinnen in DD nach.
Denn wer außer uns selbst definiert, was Kunst ist?
Wenn kein geringerer als Joseph Beuys sagt: „Jeder Mensch ein Künstler“

Einen Kunstmarkt wie in der bildenden Kunst können wir als Tänzerinnen nicht befragen. Auf die Treffsicherheit von staatlicher Anerkennung und Förderung durch die Bundesstiftung für Kunst ist kein Verlass. Entscheidende Impulse gehen vom freien Markt aus. Doch, wo ist der Markt für Tanz als Kunst?

Performance ist das Zauberwort der Stunde doch tut sich so mancher Performer, manche Performerin schwer zwischen Bildender Kunst und Bewegung angesiedelt mit den realen Energien auf der Bühne umzugehen und deshalb ist Performance oft ein abgekartetes Spiel, das den schöpferischen Prozess weit entfernt, im Vorfeld der realen Energien auf der Bühne ablaufen lässt. Damit rutscht die Performance dann in den Reproduktionsbereich ab. Ähnlich wie bei einem MalerIn oder bei einer BildhauerIn findet Kunst wo ganz anders statt als da, wo sie performt, ausgestellt, vorgetragen wird.

Das entspricht nicht dem künstlerischen Anspruch von DD. Wie performen wir? Was für ein Kunstbegriff hat sich bei DD nach 20 Jahren tanzen gezeigt? Zentral ist der kreative, der künstlerische Prozess auf der Bühne. Ich benütze nur ungern das Wort Improvisation, weil es im Sprachgebrauch ein wenig schlampert daher kommt. „Da müssen wir halt schnell was improvisieren.“ Darum geht es in DD nicht. Wir betreiben ausgiebige Recherche zu unseren Performances und bereiten uns so intensiv wie nur geht vor. DD ist keine aus dem Ärmel geschüttelte Talkshow die dem Sender das Geld für fundierten Journalismus erspart. DD setzt ganz nahe bei uns selber an und meint es ernst mit:

Mein Körper

Ausgehend vom Dialog und der Bewegung beschreibt das MMP bei DD wie folgt:

„Dein Ort ist, wo Augen Dich ansehen, wo sich die Augen treffen entstehst Du. Es gibt Dich, weil Augen Dich wollen, Dich ansehen und sagen, dass es Dich gibt“.
Hilde Domin
Liebe Gabriele, Dancing Dialogue ist für mich Supervision, Weiterbildung HKIT, ist für mich der Ort, der Platz den Hilde Domin so treffend in ihren Zeilen oben beschreibt.
Ja, hier in Dancing Dialogue begegne ich mir und öffne damit einen Raum, der auch meinem Klientel erlaubt sich selbst zu begegnen. Danke, dass Du diesen Raum für uns erschaffen hast. Danke für all Deine Kraft, Deine ganze Liebe, ohne die das nicht möglich wäre. MMP

Dazu schreibt Gesine B.: interessant finde ich Malgorzatas Rückmeldung! Denn bei mir ist es ein wenig anders: Ich habe zwischenzeitlich ein wenig hingespürt was an DD für mich das besondere ist, anders als die Pädagogik HKIT und die Therapie HKIT. Für mich ist da etwas was über mein kleines Ich hinaus geht… natürlich gehe ich von mir aus, spüre meinen Atem, warte auf meinen Bewegungsimpuls, bin ich mit mir und meinem Körper da, im Raum, mit den anderen, ja, aber da ist eben etwas was über mich hinausgeht, etwas Neutraleres.

Aus diesen beiden Zitaten wird schnell klar, ohne den Dialog mit dem Körper läuft in Punkto Kunst bei DD gar nichts. Diese Begegnungs- und Bewegungsebene mit dem eigenen Körper ist unsere künstlerische Basis. Sie öffnet uns tänzerische oder performative Räume in die Kunst. Dazu haben wir in DD das Handwerkszeug der HKIT für die Bühne erweitert und ergänzt. Hinzu kommt ein jahrzehntelanger Dialog mit dem Werk von Künstlern wie Henry Moore, Eduardo Chillida, Georgia O’Keeffe, aber auch mit sakraler Kunst (Tänze gehören dazu) der Puebloindianer Nordamerikas, des brasilianischen Candomble, der italienischen Tarantella, der australischen Ureinwohner uvm.

Andy Goldsworthy in Rivers and Tides:
Das was unter der Oberfläche liegt wirkt sich auf die Oberfläche aus.

In DD geht es in erster Linie ganz körperlich ums Fühlen, Füllen, Überlaufen und den Dialog von Innenraum und Aussenraum, von Bleiben und Ausbreiten, um das Geräusch von Grenze, es geht um den Dialog von Heimat und Ferne, von Raum und Zeit von da sein und dort sein. Daraus entspringt der Tanz.

Wie ein bildender KünstlerIn sein Handwerkszeug hat, Pinsel und Leinwand, Hammer und Meisel, so liegt unser künstlerisches Handwerkszeug in DD zunächst darin, in Kontakt zu unserem Körper zu kommen. In einen Dialog mit dem Körper einzutreten. Bewegung zu erfahren, Resonanzen wahr zu nehmen, Raum und Zeit körperlich wahrzunehmen. Damit tun sich neue Zugänge zu uns selbst und den anderen auf. Die Welt mit neuen Augen sehen, ein wichtiges Indiz für Kunst, wie es die beiden DDs im Dialog weiter oben beschreiben.

Ein wichtiges tänzerisches Handwerkszeug in den DD ist daher die Bewusstmachung anderer Wirklichkeiten im Tanz, wie er von indigenen Kulturen bis heute gepflegt wird. Tanzen ist Magie. Wie gehen wir damit auf der Bühne um? Traditionell sind diese Übergänge sakral und werden dementsprechend geschützt. Außergewöhnliche Bewusstseinszustände sind im Tanz nicht selten, sie ereignen sich, wenn wir uns intensiv unserem Körper zuwenden ebenso wie in der Begegnung mit MittänzerInnen oder dem Publikum und dem Inviroment. Wo verhörten wir uns mit  diesen außergewöhnlichen Realitätserfahrungen im Tanz?

Es braucht im Tanz eine Heimat im Körper, um mit diesen Kräften umgehen zu können.

Den tiefen Rhythmus der Veränderung kann ich nur dort sehen, wo ich zu hause bin … Es braucht Zeit um die Veränderung eines Ortes zu sehen

Was Andy Goldsworthy hier als Veränderung benennt ist für mich in DD Bewegung.

Bewegung
Bewegung ist fortwährende Veränderung. Das erfahren wir im Gehen. Kein Schritt ist wie der andere. Jeder neue Schritt trägt die Erfahrung des vorausgegangenen in sich – Veränderungen. Mit einem Meterstab gemessen sind wir von 100 cm erst seit   1 cm sesshaft. Davor gingen wir. So ist es für die Aborigines, bei denen sich gezwungenermaßen die Sesshaftigkeit erst seit kurzem breit macht, selbstverständlich, dass sich spirituelle Orte mitnehmen lassen und so in einem Kunstmuseum in Paris eine Bodenskulptur aus Sand entstehen kann (Warlpiri Lajamanu) die an einem ganz anderen Ort zu Hause ist. Singen und Tanzen ermöglichen diese Transformation von Wasserlöchern, Gänsenestern oder Muschelschalen (The Native Born, Sprengel Hannover, 2001, S 50) aus dem sakralen Raum der indigenen Kultur in den städtischen. In der Auseinandersetzung mit dem Werk John Marwurnduls und anderer Aboriginekünstlern lernten wir DDs, was es heißt in Bewegung zu sein.

Wir beschäftigten uns mit Georgia O’KEEFFE, die uns auf unseren New Mexico Studientanzreisen, das Geheimnis des Heraustretens durch Vergrößerung zeigte und der Schriftsteller, Künstler und Kunstkritiker John Berger gibt uns Impulse für die Bühne, wenn er davon schreibt, wie aus einem Stilleben Morandis von 1949 die Rosen in der Vase wie Katzen darauf lauern gesehen zu werden. (Gegen die Abwertung der Welt, S 211ff, Hanser 2003). Sehen und gesehen werden, ein äußerst wichtiger Dialog für die Bühnenpräsenz der DD.

Schönheit, sagt Berger, bei der Betrachtung einer Statue, Schönheit ist die Hoffnung, dass das Leben auf das dein Blick fällt, dich einlädt, erkennt und aufnimmt. (Meine Schöne, S 263, Fischer, 2006).
In Dialog mit vielen weiteren bildenden KünstlerInnen und Künstlern entwickelte sich DD aus der Darstellenden Kunst heraus in die Bildende Kunst hinein. Eine Entwicklung, die sich andernorts zum Glück ebenso beobachten lässt. Längst schon werden die Grenzen zwischen den Künsten wieder fließend und Kunst damit lebendig.

Lebendigkeit

Was ist lebendig in Dir“? fragt Marshall Rosenberg, dem es um Gewaltfreie Kommunikation geht und der ebenso wie HKIT mit seiner Arbeit daran mitwirkt, das menschliche Zusammenleben befriedigender zu gestalten. „Das was mich bewegt“, könnte ich antworten. Dem entlang tanzend entdecken wir unsere künstlerische Themen in DD. Manche dieser Themen variieren, sie kommen wie auf einer Spirale immer wieder, wollen bewegt und bewegt und bewegt werden. Bewegen uns, bewusst oder unbewusst, auf vielen Ebenen unseres Seins,  machen unseren Tanz unverwechselbar, prägen unseren Tanzstil. Lebenstanz.

Dabei entstehen Resonanzen, Verbindungen, Beziehungen, entwickelt sich Gemeinschaft mit anderen TänzerInnen. Dadurch wird ein gemeinsamer Tanz eine gemeinsame Aussage in ihren bunten Schattierungen temporär, einzigartig vergänglich.

Gleichzeitig wissen wir, aus der Spiegelneuronenforschung, dass die geheimen Botschaften eines Tanzes weitergetragen werden in Muskelbewegungen der ZuschauerInnen hinein und als Bewegungserinnerungen mit genommen werden können, weiterwirken über den Tanz hinaus. Diesen Dialog mit den Zuschauern zu erforschen, eine Wechselwirkung zwischen ihrer Präsenz und der der Performenden zu erkennen und damit zu tanzen, darin liegt eine spannende Herausforderung und gleichzeitig eine Einladung an die Zuschauer, Teil zu haben, aus ihrer Rolle heraus den Tanz komplett werden zu lassen. Im Dialog liegt die Kraft der Bewegung. Wir brauchen beide Pole um tanzen zu können.

Zusammenfassung

Ein Bildhauer ist eine Person, die an der Form der Dinge interessiert ist, ein Schriftsteller an Worten, ein Musiker an Tönen. Henry Moore

Ergänzen würde ich: Eine TänzerIn ist interessiert an ihrem Körper, ihrer Bewegung, ihrer Lebendigkeit, daraus entwickelt sich ihre Kunst, der Tanz. Ausgehend vom Körper bewegt sich Dancing Dialogue im Spielfeld aller Regeln der Kunst in ein weites Feld der Kommunikation hinein.

Mein Anspruch dabei ist: Kunst muss mich verwandeln, verzaubern, in neue Bezüge setzen. Darin sehe ich die weitreichende soziale und politische Aufgabe von Kunst.

Ich jedenfalls will etwas beitragen zu der Freude und dem Glück und der Erfahrung anderer Menschen. Henry Moore

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FF, Perry Green, Large Figure in a Shelter, 1985-86, Henry Moore

Mein Erleben erweckt den Tanz

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Nein, nicht Amazonas, Seeve, Sommerzeit DD 2017.

Gerlinde Lambeck:

Es ist wahr, eigentlich tanzte der Fluss – und ich darin mit.
Eine Art von Einssein…
Gerade denke ich: Der Fluss tanzt, weil ich es so erlebe.
Mein Erleben erweckt den Tanz.
Ja, liebe Gerlinde, aus so einem Grund heraus singen die Aborigines, wenn sie ins out back gehen, weil sie der Überzeugung sind singen und tanzen erschaffen die Landschaft. Das Foto ist eine schöne Erinnerung. G.F.

Kunstbegriff

Heute, liebe Linda, ein weiteres Beispiel aus meiner DD Praxis zum Thema Kunst und Tanz. Der Tanzbegriff in den DD meint keine fertige Choreographie, die jederzeit und überall reproduzierbar ist, vielmehr geht es um die Bewegung realer Energien auf der Bühne. Es ist wie im realen Leben. Wir tun so, als ob wir genau wüssten, was als nächstes kommt, aber wir wissen es nicht wirklich. Tanzen gibt uns die Bühne, uns auszuprobieren in Punkto Beweglichkeit. Davon spricht auch Andy Goldsworthy in Rivers and Tides.

Das Fließen in der Natur
Der Fluss der Zeit
Das Meer und der Fluss
Zeit und Gezeiten

Nicht nur das Meer,
auch der Fluss lehrt uns
viel über die Zeit

Es braucht Zeit
um die Veränderung eines Ortes zu sehen

Kinder wie sie erwachsen werden
selber wieder Kinder haben
Geburt und Tod
die Menschen, die geboren wurden
und die die gestorben sind

Der Fluss ist die Linie der ich folge
Er ist unberechenbar
die ununterbrochene Linie
die doch ihre eigenen Kreisläufe hat
abhängig vom Wetter und vom Meer

wenn ich etwas suchen müsste,
das das Jahr verbindet dann ist das der Fluss
Der Fluss ist ein Fluss aus Steinen, Tieren, vielerlei Dingen
Der Fluss setzt kein Wasser voraus

Wir reden vom Fließen und vom Fluss des Wachsens
der die Bäume und das Land durchströmt …

Ich rede vom Fluss der Bewegung, vom Tanzen in DD. Wir sind oft draußen, wenn wir tanzen. Nächstes Jahr feiern wir 20 Jahre Tanzheimat. Wir hatten 20 Jahre Zeit die Veränderung dieses Ortes zu sehen. Goldsworthy sagt: Den tiefen Rhythmus der Veränderung kann ich nur dort sehen, wo ich zu Hause bin. Tanz und Heimat in einem Wort. Zu Haus sein und in Bewegung sein, Rhythmus und Veränderung. Wie geht das?

Die Kunst gibt keine Antworten, sie öffnet uns Räume uns auszuprobieren. Wir tanzen um uns zu erweitern. Mit Merleou Ponty gesprochen geht es um „das Maß der Weite meiner Existenz“ wenn wir tanzen, also „die Weite unseres Umfangens von Raum und Zeit“ in der Bewegung erfahren.

Dazu gehören Wiederholungen, immer wieder versuchen wir unsere Lebensthemen zu greifen, zu bewegen, zu begreifen im Bewegen. Immer wieder mit unterschiedlichem Ausgang, aus neuen Blickwinkeln heraus drehen und wenden wir das Juwel unseres Lebens. Es entstehen dabei nicht unzusammenhängende Fragmente, ganz wie bei einem bildenden Künstler gibt es nach Jahren der Tanzerfahrung eine Retropsektive in der sich das Sujet zeigt, das uns wieder und wieder in Bewegung bringt. Denken wir an Monets Seerosenteiche.

Wir durchlaufen als freischaffende TänzerIn impressionistische, expressionistische oder kubistische Phasen. Es fällt auf, dass sich noch keine Begrifflichkeit gebildet und etabliert hat im Tanz. Vom 31.Okt.-5. Nov. 2017 werden wir an dem Thema Lebenstanz in den DD arbeiten. Wir werden unsere SeniortänzerInnen zu Gast haben und gerne auch änder Tänzerinnen, die dieses spannende Thema persönlich oder beruflich interessiert.

Das Treffen in der Gruppe, das gemeinsame Tanzen mit dem wir unser Wirklichkeit erweitern. Nachden vier Tagen Tanz werden wir mehr dazu sagen können.

Kunstbegriff in DD

Liebe Linda, anstehende Themen sind Hände und Kunst. Wie entwickelt sich in DD der Kunstbegriff? Im Laufe der letzten 20 Jahre haben wir tänzerisch erfahren, dass Kunst ohne Körper nicht denkbar ist. Elisabeth Wehling, Kognitionsforscherin in einem TV Interview: Alles Denken ist körperlich! Gefühle, sinnliche Wahrnehmung, Bewegung liefern die Basis. Das Gehirn gibt den Wörtern eine Bedeutung aus Bewegungserfahrung, sinnlicher Wahrnehmung, Primär-Metaphern, entwickelt sich Welterfahrung, die wir in sogenannten Frames, Bedeutungsrahmen, abspeichern. nur 2 % unseres Denkens ist bewusst, sagt die Kognitionsforscherin.

An die 98% unseres unbewussten Denkens kommen wir über die Kunst dran. Das ist meine These, die es auszubauen gilt. Daher unsere Begeisterung fürs Tanzen, für den freien Bewegungsimpuls. So können wir unseren kognitiven Ressouren näher kommen. Was ein höchst befriedigendes Wohlgefühl vermittelt, des Verbundenseins, FLOW? Ob wir in HKIT nun tanzpädagogisch, tanztherapeutischen oder künstlerisch weiter gehen ist eine Frage der Ausrichtung.

Hier ein Beispiele aus meiner aktuellen künstlerischen Praxis:

Ich will heute langsam machen, habe gerade eine Stunde zu meinem Iliosakralgelenk hingeatmet, das war sehr gut, endlich habe ich den Eindruck kommt der Atem an, was vorher nie war.

https://www.google.de/search?q=large+reclining+figure+henry+moore+perry+green&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de-de&client=safari#imgrc=0Qds2cwkS3s7gM:

Diesen Satz schreibt mir FF gestern, sechs Tage nach ihrem Tanz zu Large Reclining Figure, Henry Moore, Perry Green. Dieser Tanz ist auf Video dokumentiert und äußerst ungewöhnlich. Der Dialog entspinnt sich aus dem herausgezogenen Hüftgelenk der Figur und der Bewegungserfahrung der Tänzerin. Um in Kontakt mit dem Iliosakralgelenk, dem Becken, der Hüfte zu kommen zieht FF immer wieder ihr Bein lang, bis sie durch den Tanz merkt, dass das eine Sackgasse ist und sie nur über den Atem da hin kommen kann.

Was für ein Durchbruch. Einen nicht beatmeten Körperbereich wieder zu beatmen. Da sind pädagogische Elemente, da bietet sich therapeutisches Weitergehen an und es öffnet sich ein Kunstframe. Gebe ich dem Tanz von FF einen künstlerischen Bedeutungsrahmen, so steht der Tanz: Ein Dialog zwischen zwei Körpern. Eduardo Chillida: Das, was zwischen zwei Körpern passiert, das ist für mich von Bedeutung.

Was da passiert ist im Tanz war ein in eine tänzerische Grundstimmuung gehen: die Arme angehoben, die Ellbogen weit, Raum unter den Schultern, ein langsames Anheben des Beines und dann ein Zittern, ein Schwachwerden im Absenken bis zum Knie, dann ein Taumeln, bis der Fuß die Erde wieder berührt Unsicherheit. Der Schultergürtel kippt nach hinten, der ganze Körper gerät ins Schwanken, fängt sich. Erneut der Versuch einer tänzerischen Grundhaltung, bis der Körper irgendwann zusammenbricht. Ein Taumeln nach hinten, dann reißt der Rumpf nach vorne, stürzt, reißt den ganzen Körper mit zu Boden.

Was ist denn das für ein Tanz? Darf eine das? Gegen alle Regeln der Kunst. Ich lache schallend, trotz großer Betroffenheit. Es gäbe noch viele Details zu berichten. Für mich ist damit jetzt der künstlerische Frame erst mal abgesteckt. Wir reden über den Raum zwischen Large Reclining Figure und der Tänzerin. Chillida:

Das, was eine im Inneren fühlt, kann sie auch nach außen mitteilen.

Was ich als Zuschauerin sehe ist die Fragmentierung die sich da im Zwischenraum abbildet, Zerstückelung bis zum Zusammenbruch. Für die Tänzerin liegt darin eine Zugangserfahrung zu ihrem Körper, Atem. (98% unbewusstes Denken wird aktiviert) Nicht das Herausziehen des Beins aus dem Beckenverband bringt die Lösung sondern der Atem. Diese Körpererfahrung vollzieht sich im Dialog mit LRF. Sie ist eine Innenraumerfahrung die sich im künstlerischen Framing nach außen im Tanz im Dialog mit dem Innenraum zeigt, wie es Chillida unten beschreibt.

In den meisten meiner Werke findet sich ein gemeinsames Problem: das des inneren Raumes als Folge und als Ursprung des äußeren Raumes. Um den inneren Raum zu umschreiben, ist es notwendig, ihn zu umhüllen und so werden sie für den Betrachter, der draußen steht, auch umfassbar, erfassbar. S 36

Hier kommen nun zwei Zitate von Henry Moore, (werden sichtbar mit Doppelklick) Das erste bezieht sich auf den Kampf in der Performance, den ich sehen konnte und auf das Unvollendete dieses Tanzes. Die Lösung, der Atem kommt später. Der Tanz zeigt den Konflikt, das Ringen um Lösung.

Performance arbeitet mit realen Energien auf der Bühne. Dieser Tanz ist damit nicht reproduzierbar. Mit dem Finden der Lösung im Atem hat der Kampf ein Ende. Natürlich ließe sich der Tanz darstellen, wieder herstellen, nachvollziehen, doch das lehnen wir in DD ab. Wir sind in diesem Sinne mehr bildende Künstlerinnen als darstellende Tänzerinnen.

http://www.azquotes.com/quote/767295

Das nächste Zitat führe ich gerne weiter … eine TänzerIn interessiert sich für Bewegung. Hier ist die Abgrenzung zur Therapie und Pädagogik deutlich. Es geht in erster Linie nicht ums Lernen oder um Gefühle sondern um Bewegung im künstlerischen Framing.

http://www.azquotes.com/quote/204458

 

Quellen

Die TV Sendung mit Elisabeth Wehling

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Norddeutschland-und-die-Welt,sendung680840.html

Chillida Zitate aus dem Ausstellungskatalog, Schloss Moyland, ELKARTU, 2001

DD Kollektiv demnächst auch in London

 

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Liebe Linda, gestern kam eine sehr besorgte Anfrage von Sabine R. wegen dem Anschlag in der U-Bahn. Zum Glück ist uns nichts passiert, die armen Menschen, die die Explosion erleben mussten und dabei verletzt wurden. Die U-Bahn ist eine der ersten der Welt und sehr sehr eng und schmal gebaut. Ich komme dann schon ohne Anschlag an den Rand einer Panik. Wir waren zwar auch under ground aber Richtung Hydepark und so blieben wir verschohnt🙏🏼.

… und hatten einen sehr schönen Tag im Park. Blumen des Spätsommers, englische Landschaftsgärtnerei vom Feinsten und mitten da drinnen die Serpentine, ein schwungvoll angelegter See, die Serpentine Galerie und das angebaute Café von Zaha Hadid. Mehr geht nicht. Doch, noch eine Skulptur von Moore, die wir schon von Perry Green kannten, dort in Bronze, im Hydepark in Marmor. The Arch.

Tanzplatz: Zaha Hadid, Serpentine Sackler Galerie, Magazine, London

 

Es steht noch auf dem Programm eine Übungseinheit Hände. Davon gibt es bereits eine Übung, weiter vorne, Du erinnerst Dich, liebe Linda. Das Abschütteln des Wassers von den Händen. Eigentlich ist das ein komplettes Projekt HÄNDE. zu dem ich bereits angefangen habe mit Yvonne M. Zu diskutieren und Ideen zu sammeln. Jetzt ist mir gerade London dazwischen gekommen, aber das Thema ist aktuell und dazu kommt bald mehr.

Dann habe ich angefangen über Tanz und Kunst zu schreiben und dazu gibt es natürlich nach unserem DD Besuch bei Henry Moore einen großen Input. Dazu werde ich heute aber auch nicht schreiben, liebe Linda. Es ist Abreisetag und mein Kopf ist noch mit vielem anderem schwer beschäftigt. Also muss ich Dich noch um ein wenig Geduld bitten.

Heute fliege ich zurück nach HH. Schade, so ein Wöchle, liebe Linda, das ist doch für London rein gar nichts. Doch Freyja F. ist ja mitten drin im Aufbau eines DD Kollektives in GB und wir können auf ein baldiges Londontanz&Performance Angebot von ihr hoffen.👍

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DD visiting Henry MOORE

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Liebe Linda, wie ich schon berichtet habe bin ich in London. Gestern besuchten FF und ich die Henry Moore Studios&Gardens. Hier FF jumping with Double Oval, Bronce, 1966. Wir bewegten uns mit ein paar Skulpturen um in Kontakt zu kommen, mit der Kunst Moores und mit dem, was uns da wirklich bewegt. Dazu morgen mehr. Gleich gehe ich zu FF zur Nachbesprechung. Das haben wir gestern nicht mehr geschafft. Dieser anschließende Austausch ist, wie wir wissen, eine wichtige Ergänzung zur Bewegung und macht DD zu dem, was es heute ist. Also ich melde mich wieder aus London.😁

Bodywork and Art

Liebe Linda, ich merke, dass mir der Frame, also auf deutsch Bezugsrahmen Kasimir, nicht passt … Kasimir würde ich ganz andere Dinge mitteilen als einem weiblichen Gegenüber und wenn ich das schreiben will, worüber ich schreiben will, dann brauche ich dich Linda. Sorry, dieses Experiment ist gescheitert … nicht dass ich Kasi nichts zu sagen hätte, aber Linda bleibt Linda, die Schöne auf portugiesisch😁

Liebe Linda, seit einiger Zeit liegt mir etwas auf dem Herzen und liegt und liegt … nach meiner TanzSommerzeit fragte mich eine Leserin: und wie geht es dir? Diese Frage berührte mich … ich spürte ihr nach und da war es. Ich hatte mich diesen Sommer als Künstlerin erlebt, der Sommer war für mich ein Kunstprojekt. Alles fing damit an, dass es mir langweilig war nach Kassel zur Dokumenta zu fahren oder nach Münster zu der weltbekannten Skulpturenausstellung.

Sorry, ich spreche nur für mich😁, Was war passiert? Ich spürte Kunstkonsum war nicht angesagt, es ging mir diesen Sommer um Kunst machen. Das wurde mir so bewusst bei Global Water Dance und der Frage: Was ist denn daran Kunst? Für mich war daran Kunst, dass ich am Seeveufer stand und mich beim Vornüberbeugen in einen Vogel verwandelte, ich spürte dabei die anderen Tanzenden, Maya hinter mir, Almut, Erika … .

Aha sagt Stefka, Kunst ist für Dich Verwandlung. Ja, sage ich, aber mehr … in meinen Gedanken bin ich bei dem indonesischen Tempeltänzer, den ich vor Jahren in der Orangerie in Köln erlebt habe. Ein Pulk Menschen, er unscheinbar mitten drin, legt einen bespannten leeren Bilderrahmen auf den rohen Betonestrich und zaubert mit einpaar Armbewegungen die kleinen Vögel von Java in unsere Mitte. Ich konnte sehen, wie das Wasser aufspritzte, wenn sie durch die Pfütze auf dem Betonestrich flitzten, wusch, wusch, wusch … mehr brauche ich nicht an Kunst in meinem Leben.

Ich spüre, wenn die kleinen Vögel aus Java kommen … heute fahren Freyja und ich in die Studios von Henry Moore am Stadtrand von London. Seine Skulptur vor dem Schauspielhaus in Recklinghausen, da spritzen die kleinen Vögel von Java durch die Pfütze … . Für mich ist es nicht nur Verwandlung, es ist Verzauberung, die ich im Tanz erlebe … ob ich zu Elkartu von Eduardo Chillida tanze oder zu einer Liegenden von Henry Moore … .

Kunst braucht für mich aber auch Gemeinschaft. Ich will die anderen um mich spüren, wenn ich tanze, wie sie ihre Geschäfte machen und wir ein Team sind. Kunst braucht für mich als Tänzerin Kontakt, Verbindung, Resonanz. Kunst swingt um mit einemMusikbegriff zu kommen. So und nun sind wir bei Bodywork, dem Wort aus der Überschrift.

Gestern habe ich von den Wassertropfen geschrieben, bei der Übung Hände und Arme schütteln … und wie daraus ein Tanz entstehen kann, indem wir wie FF sagt, dem freien Bewegungsimpuls folgen und vorgezeichnete Bahnen verlassen, wer sie auch immer vorgezeichnet hat und dann merken wir, ja, so geht es und nicht, wie ich immer dachte, dass es gehen muss.

Ich glaube das ist Kreativität, wenn so etwas passiert, wenn ein leerer bespannter Bilderrahmen sich in eine Pfütze verwandelt durch die die kleinen Vögel von Java peitschen, wusch wusch wusch😁. Für mich braucht Kunst aber nicht nur eine kreative Idee, wie ich das in Kassel oder Münster sehen kann, es braucht den Körper. Da ist wieder diese Verwandlung. Kunst macht, dass ich einsteigen kann, Kunst braucht die Rassel oder Trommel, wie wir sie aus der schamanischen Arbeit kennen. Dieses Reitpferd in die andere Wirklichkeit. Ja, das ist mein Anspruch an künstlerisches Schaffen, dass es mich als Tänzerin pack und mitreißt, mitnimmt. Dass ich nachher nicht mehr da stehe, wo ich vorher gestanden habe.

Bodywork and Art. Vielleicht braucht es Bodywork heute um wieder Zugänge zur bildenden Kunst zu finden? Ich meine für die Künstler, dann erst für die Zusacher. Vielleicht brauchen wir die Erinnerung an unser Körpersein wenn wir Kunst machen wollen und was gäbe es da anderes als zu tanzen? Um die Kunst muss ich mir da keine Sorgen machen, die kommt dann …

Zum Abschluss eine zeitnahe Musik die mir gerade Stefka zur Diskussion anbietet, Danke dafür! Von mir bekommen die jungen Frauen den Friedensnobelpreis in Literatur … Wer sonst? Große Kunst, reißt mich echt vom Hocker, was die da machen, volle Punktzahl von Art and Bodywork👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍

Und hier auch noch was für Kasimir, allerdings begeistern mich die Mädels vom Refrain, sorry

Da denken wir immer wir müssen so und dann geht es doch ganz anders…

Keywords
Energie
Lebenstanz
Bodyreading

 

Am 07.09.2017 bekomme ich folgende Antwort von FF auf meine Frage, wie sich der Nachtkrab, ein Maskenwesen aus der DD Sommerzeit 2015, weitertanzt, nachdem es sich in den Sommertanztagen 2017 als bedeutendes Wächterwesen, wie schon 2016, wieder sehr mächtig gezeigt hat.

Ich berichte im Blog über den Nachtkrabb, ursprünglich eine Schreckgestalt schwäbischer Kinder, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem Schwarzen Mann im Norddeutschen Raum:
21. Mai 2016, Die Masken der DDs an der Rampe in Bergen Belsen
1. August 2016, Foto und Einladung zum Maskentanz, 30 Jahre HKIT
29. Nov. 2016, Foto im Tanz mit Der Weißen

 

Erdmutter, Nachtkrab und Die Weiße

FF … Den Nachtkrab hab ich seit den Sommertanztagen nicht mehr getanzt, aber das hoch-runter Thema. Bin nicht so arg gesprungen, aber ein bisschen. Beim Tanzen in Inzmühlen hatte ich ja, dass sich so Beile manifestieren, aber letztlich ist es glaube ich einfach nur Energie und mein Körper will mir sagen, dass die Öffnung unten an den Händen anfängt, glaube ich, jedenfalls wenn die schlimmsten Verspannungen aus den Schultern weg sind.

Gestern sind dann die Fäden der Erdmutter gekommen, diese Verlängerungen der Finger, und damit kann ich die Energie zu Boden bringen. Ich dachte immer, ich muss das durch den Rumpf, dann durch das Becken und dann durch die Beine machen, aber das geht einfach nicht. Und gestern ging es über die Hände, dann in Achten direkt auf den Boden.

Da denkt man immer man muss so und dann geht es doch ganz anders…

Mir hat dazu Stefkas Arbeit mit Oxum, während den Sommertanztagen, total geholfen, da hatte ich das auch so gespürt, dass es Energie oben gibt, die nach unten abgeleitet werden muss. Weiß nicht, wie ich das anders ausdrücken soll… Aber es geht darum, dass man Energie von oben (die Sterne, das Stroh der Müllerstochter) nach unten bringt (das Gold).

Meine Antwort
Liebe FF, spannend, dass da plötzlich die Erdmutter auftaucht … diese Bänder aus den Fingern, aber auch die Erdenergie die von oben nach unten geleitet werden muss … das ist auch die Haltung der Galgenbergerin, die Felicitas Goodman beschreibt. Die Galgenbergin hat einen Stock zum Ableiten der Energie in die Erde. Auch beim Magier im Tarot begegnen wir einer Energie ableitenden Körperhaltung, ein Arm oben in den „Sternen“, mit Stock, der andere zur Erde gerichtet. Diese Haltungen zeigen deutlich, dass hier Energie von oben nach unten über die Hände geleitet wird.

Spannend, welche Aufgabe da Hände, Arme, Schultern haben und es nicht durch den Rumpf läuft … auch der Bezug zu Oxum ist interessant. Es legt eine Deutung von Materialisierung kosmischer Energien nahe. Die Wolkenkuckucksheime auf die Erde bringen, die Sterne vom Himmel pflücken. Wir haben so eine Übung in den HKIT. Es ist interessant da mal mehr drüber nachzudenken, darauf zu achten, wann die Energie durch den Körper läuft und wann über die Arme.
Im therapeutischen wie im tänzerischen Prozess folgen wir der Energie, aber wie Du schreibst haben wir manchmal so Vorstellungen, die uns daran hindern dem freien Impuls seinen Lauf zu lassen.

Mich regt diese Beobachtung von FF an gleich mal meine Hände und Arme  und Schultern auszuschütteln. Ich stelle mir vor, dass ich meine Hände kurz zuvor in Wasser getaucht habe, das ich jetzt abschüttle. Damit bekommt die Übung einen Frame, wie das in der Kognitionswissenschaft heißt und verankert sich körperlich. Ich kann das Wasser spüren. es spritzt von meinen Fingern ab und ein lustiger Tanz entsteht. Bilder von Spatzen und Gänsen nach dem Bade tauchen auch. Meine Finger öffnen sich und werden leicht und durchlässig, Arme und Schultern entspannen sich, festgehaltene Energie kann abfließen. Ein sanfter Xango😎.

 

Anmerkung aus Wikipedia
Die Venus vom Galgenberg (auch Fanny vom Galgenberg) ist eine Venusfigurine aus grünem Serpentin, die nach dem Fundort beim niederösterreichischen Stratzing benannt wurde. Mit einer Radiokohlenstoffdatierung der Fundschicht auf die Zeit um 32.000 BP, nach neueren Untersuchungen des Fundortes um 36.000 BP,[1] ist sie neben der 2008 gefundenen, knapp 6 cm hohen Venus vom Hohlefels die älteste allgemein anerkannte Venusfigurine.[2][3] Beide gehören der archäologischen Kultur des Aurignacien an, die 7,2 cm große Galgenberg-Venus wurde 1988 gefunden. Etwa 25 km von Stratzing entfernt donauaufwärts liegt die Fundstelle der etwa 7.000 Jahre jüngeren Venus von Willendorf.