Spiel und Tanz

„Keine andere Tätigkeit bestimmt unser Leben so nachhaltig wie das Spiel. … Ohne die frühen Formen der Bewegungsspiele, die hinzutretenden und darauf aufbauenden Illusions- und Rollenspiele sowie die Konstruktionsspiele wären Menschen ebenso wie höher entwickelte Tiere tatsächlich lebensunfähig. Über alle unbestrittene Funktionalität hinaus jedoch bedeutet Spiel noch mehr: Das Erlebnis des Ich, des Du und des Wir sowie Freude und Lust nicht nur im Tun, sondern allein schon im Sein in einer Welt, an der wir nicht nur teilhaben, sondern deren Teil wir sind. Und wer es fassen will und kann: Spiel hebt uns über die Rationalität hinaus in Bereiche, die uns zumindest für Momente unsere Herkunft und Unvergänglichkeit erahnen lässt. Sich einzuordnen in die Balance aus Regeln und Freiheit, sich voll und ganz einzubringen, aber gleichzeitig zu bescheiden, das kann zu mehr werden als Nutzen und Vorteil. Spiel, so gesehen, bedeutet Offenbarung. Keiner von uns wird auf diesem Weg je auslernen, je an ein Ziel kommen. …“ Ekard Lind, Richtig spielen mit Hunden, Kynos 2016,  S 219.

Diesen Text lese ich und denke, genau das könnte ich so über meine Tanzerfahrungen mit Dancing Dialog schreiben. DD ist ein Solitärspiel und ein Sozialspiel, in diese Spielarten teilt Ekard Lind das Spiel ein und die Spielqualitäten die er formuliert begeistern mich, weil ich sie in den DD wiederfinde: FREIHEIT, SPONTANEITÄT, VERSCHWENDUNG, EIGENHEIT (ANDERSARTIGKEIT), LUST (FREUDE-GLÜCK). All das, was ich so sehr schätze, wenn wir tanzen, zuerst jede einzeln von ihrem Hocker aus, dann mit der Partnerin und mit der ganzen Gruppe und besonders interessant wird es, wenn der Joker noch mit ins Spiel kommt.

Soziales Lernen, Motorik, Experimentierfreude, Kommunikation werden angesprochen genauso ist es möglich im Tanz zu kompensieren, eine Ventilwirkung zu finden, sich selbst zu erfahren, Intelligenz auszuloten, Mitgefühl und Fairness, Humor und Scherz auszuprobieren, sich neu zu erfinden.

Einige Zitate aus der Spielforschung die Ekard Lind zusammengetragen hat:

„Umwandlung fällt den Menschen nirgendwo leichter als im Spiel wo Kräfte frei gesetzt werden, die sonst Mühe bedeuten und wo Verwandlung wie von selbst das Ganze erfasst und umbaut, noch dazu in lustvoll beglückender Art und Weise.“ S 19

„Die oft abfälligen Ansichten über Spiel sind angesichts der vielen Vorteile, die es bietet, unverständlich.Die Einschätzungen reichen von „entbehrlich über „unnötig“ bis hin zur vermeintlichen Minderwertigkeit. Vor allem dann, wenn Spiel mit Arbeit verglichen wird, schneidet das Spiel meistens schlecht ab. Viele sehen im Spiel etwas Unvollkommenes, Vorläufiges, das später, wenn es ums Arbeiten geht, abgelegt werden muss. Weil es den Fortschritt behindere und dem Ergebnis schade, abgesehen vom Zeitverlust, den man sich im Spiel einhandeln würde. … Spiel ist nichts Vorläufiges, sondern eine besondere Daseins-Realität innerhalb einer eigenen Verhaltenskategorie im Hinblick auf Motivation, Emotion und Kommunikation, gekennzeichnet durch eigene Sinnhaftigkeit, Qualitäten und Merkmale.“ S 69

„Dort (in der Wissenschaft) wird Spiel nicht nur als eine Erscheinungsform der Kultur begriffen, sondern als eine der grundlegenden Substanzen, als formative Kraft, die Kultur entstehen lässt und verändert. „S22f

S145 „… Aussetzen von Status und Rangordnung, einem fundamentalen Kriterium für freies Spiel“

Und hier noch einige Forschungsergebnisse die Ekard Lind zusammengetragen hat:

Neurobiologie des Spiels S 36

„Spielbedingte Emotionen zeigen in der bildgebenden Darstellung des Gehirns deutlich andere Aktivierungsbereiceh (und deren Kombination) als Handlungen, die nicht auf Spiel zurückgehen. Spiel ist daher „eher ein Bewusstseinszustand als eine Aktivität“. Brown 2009

Im Spiel werden folgende „körpereigenen Drogen“ gebildet: Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Oxytocin, Endorphine sowie Phenethylamin (PEA).

Auch diese Forschungen berühren mich besonders und erinnern mich an lange Gespräche zum Thema Heilungsraum im Tanz:

Spiel braucht das „entspannte Feld“ das heißt Sicherheit („Playtime generally is safe time“, Bekoff 2002) und Geborgenheit, den Raum des Vertrauens (Donaldson) ebenso spielen wir nicht bei Hunger oder Durst, Krankheit, Angst oder Stress. … Geborgenheit ist wohl der einzige Begriff, der alles umschließt, was ein Lebewesen für sei Wohlergehen benötigt, unter anderem Sicherheit, Vertrauen, Liebe, Wohlbefinden und Angenommensein. …“

Einmal schrieb ich in einem Programm „Im Tanz ist der Mensch wirklich“. Diesen Satz zitieren heute noch manchmal HKITlerinnen, wenn wir uns treffen. Bei Ekard Lind finden wir den Satz etwas ausführlicher S 34 “ Friedrich Schiller: .. .der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

Dort wo der Tanz noch Spiel sein darf, frei, spontan, verschwenderisch, andersartig, eigen, lustvoll, dort treffen wir auf die Heilenden Kräfte im Tanz. G.F.

Bitte schaut daraufhin noch mal die Fotos von unserem letzten DD Treffen im Mai weiter vorne an.

Zur unterschiedlichen Qualität menschlicher Kontakte

Hier nun zu den letzten beiden Bloggbeiträgen …. DD und Sup … noch Hintergrundswissen um das Thema KONTAKT in seiner Bedeutung einordnen zu können, denn es war sowohl in der tänzerischen als auch in der tanztherapeutischen Arbeit der letzten Wochen tragend zu Tage getreten, eine der Teilnehmerinnen notierte sich das Wort KONTAKTPROZESS.

Die Bedeutung von Elsa Gindler als Begründerin der somatischen Psychotherapie ist heute in Fachkreisen unumstritten*, obwohl sie ihre Arbeit selbst nicht therapeutisch einordnete sondern als moderne Gymnastik bezeichnete. Sie wehrte sich auch gegen die Einschränkung der Gymnastik auf eine ästhetische Bewegungserziehung, “ in ihrem Selbstverständnis war sie Erwachsenbildnerin für Menschen, die mit ihrem So-Geworden-Sein nicht zufrieden waren und eigenverantwortlich an ihrer Nachentfaltung arbeiten wollten.“ S 312

Bei Elsa Gindler treffen wir auf ein differenziertes Kontaktstudium mit Aufforderungscharakter, ohne dieses feine Hinspüren, uns selbst auf die Spur kommen können wir kein grundlegendes Tanz- und Bewegungsverständnis im Sinne der HKIT entwickeln.

*von Elsa Gindler oder ihren Schülerinnen lernte: Wilhelm Reich, Otto Fenichel, Fritz Perls, Erich Fromm, Ruth Cohn TZI, Helmut Stolze KBT, Hilarion Petzold, Moshe Feldenkrais …

Textauszüge aus Das Arbeitskonzept von Elsa Gindler, Arps-Aubert, Hamburg 2013

„Durch meine Arbeit wurde ich immer mehr dahin geführt, dass die Bewegungs-, Denk- und Ausdruckshemmungen des modernen Menschen nicht durch Körperübungen allein zu beheben sind und wir nur durch eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen dahin geführt werden können, uns unmittelbar mit der Wirklichkeit auseinander setzen zu können.“ S 34

EG zeigt in ihrem Kurs das Foto einer Eisbärenmutter mit Jungem, das sich innigst anschmiegt und lässt die KursteilnehmerInnen das Gesehene nacherleben … „den lebendigen Kontakt“, wie sie es nennt. „Empfunden wurde eine wache, vertrauende gegenseitige Zuwendung, die als spürender Körperkontakt sichtbar war … womit zugleich eine umfassendere, in der Arbeit Gindlers zentrale Thematik angesprochen und eingeführt war, nämlich die unterschiedliche Qualität zwischenmenschlicher Kontakte und die Möglichkeit, dieser Qualität bewusst inne zu werden. Dies forderte die eigene Wahrnehmungsbereitschaft, die als solche zu erkennen und innerlich von unserer routinierten Beziehungslosigkeit zu unterscheiden war. S 284

Mit der Ausbildung differenzierter Wahrnehmungen über die Tastleistung könne sich somit der Gesamtzustand eines Menschen verändern und sein beziehungsvolles und angepasstes Verhalten optimiert werden. Berührbarkeit, Gelassenheit, Wachheit und lebendiges Da-sein hießen die von Elsa Gindler angestrebten Werte. S 312

Hier nun eine Fotodoku zum Thema zwischenmenschlicher Kontakt im Dancing Dialogue. Beachtet, wie weit auseinander die DDs stehen und wie intensiv die Verbundenheit da ist, wie intensiv der Kontakt jeder einzelnen zu ihrem Körper ist und wie sich diese Körper im Tanz begegnen: gefühlt, gefüllt, so kann Bewegung zur Begegnung werden im tänzerischen Spiel miteinander, ganz im Sinne Elsa Gindlers geht es dabei nicht ums Ästhetische sondern darum miteinander und voneinander zu lernen wie es geht uns unmittelbar mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen. Das will Performance, das Spiel, den Tanz mit den realen Energien die uns DDs auf der Bühne begegnen.

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aber auch wie intensiv der Kontakt jeder einzelenen DD zu sich selber ist

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Supervision 9.-14. Mai 2017

Eine sehr reiche und erfüllende Zeit liegt hinter uns und ich spüre nochmal da hin, was an dieser Supervision lehrreich🤓war.

Wir haben ein wenig über Orixas gesprochen, da könnten wir noch viel dazu arbeiten, zum Zusammenwirken von Xango und Oxumare, aber auch die Orixa, die mit Wasser zu tun haben und mit ihren Bewegungen auf der Flüssigkeitsebene wirken, wie Oxum, kommen mir in den Sinn, wenn ich an die Erfahrungen auf der Flüssigkeitsebene denke oder währen der Geburt, die Käseschmiere, das Gleiten aus dem Geburtskanal, dem Drehen und Winden des Babies, dabei denke ich an die schöne Oxum unterm Regenbogen und ihre Bewegungen genau so wie an Nana, die ja ebenso eine Orixa der Feuchtgebiete und eine Geburtshelferin der besonderen Art ist,  mit ihrer Aufforderung das Becken zu kreisen. Jamanja mit dem Meer, da ist die Verbindung zum Wasser offensichtlicher … auch sie eine große Helferin mit ihren Bewegungen in den Fluten. Ich finde diesen Blick in eine andere Kultur oft hilfreich und erweiternd, auch und gerade in die Bewegungskultur der Orixa, da lohnt es sich immer wieder hinein zu tauchen, hinein zu tanzen … ein andermal mehr …

Und ich möchte gerne neben all dem persönlichen Leid, das uns begegnet ist, auf das Spüren hinweisen, den Schlüssel im sensomotorischen Raum, der uns wieder in die Nähe unserer Lebenskraft führt, unserer Power auf die Spur kommen lässt, durch Atem, Slow Motion in Verbindung treten können mit uns selber, den anderen, der Gemeinschaft, der Welt und dabei unsere Eigenbewegung zu entdecken, die als Kellerkind vor sich hinkümmert, bis, ja, bis wir anfangen in Kontakt zu treten mit uns selber und hinspüren, uns auf die Spur kommen.

Dort entspringt der Tanz in HKIT und lädt uns ein zum ungezwungenen Spiel mit unseren Kräften, lässt uns ausprobieren, wie es möglich ist gemeinsam mit anderen ein friedvolles und für alle erfüllendes Leben zu tanzen.

Ich freue mich auf Euere Erfahrungsergänzungen. G.F.

Die nächste Supervision ist vom 22. – 31. August, ein Doppelblock. Wir sind Gastgeberinnen des Forums 2017 und werden anschließend, wenn unsere Gäste wieder heim gefahren sind zu den in den Vorträgen angesprochenen Themen intensiv arbeiten können. Darauf freue ich mich besonders und lade gerne auch HKITlerinnen dazu ein, die nicht in der Supervisionsjahresgruppe angemeldet sind.

Ein tänzerisches Intensiv zu den Orixa könnt ihr vom 11. – 20. August erleben zusammen mit den DDs, wenn es in Inzmühlen wieder heißt: summertime and the living is easy🏝. Da werden wir anknüpfen an die Kraft die sich in den brasilianischen Tänzen des Candomble akkumuliert und viele spannende Geschichten rund um die Orixa und ihr Wirken werden uns neue Wege in unsere Eigenbewegung eröffnen. Ein OPEN für alle Tanzbegeisterte.

The power of dance

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Eine überaus intensive und bewegte Zeit liegt hinter uns Teilnehmerinnnen des ersten Dancing Dialogue Treffens 2017. Wir begannen mit dem traditionellen Walpurgistanz in Inzmühlen ums Feuer, gingen durch Gassen und über Plätze von Buxtehude auf den Spuren von über 20 Frauen die hier vor 500 Jahren lebten und als Hexen denunziert und verbrannt wurden und nahmen diese Erfahrungen hinein in Körperarbeit und Tanz, immer der Frage auf der Spur: Wie tanzt sich unsere Kraft?  Aus der Frage kamen uns die Antworten entgegen. Hier unsere keywords aus der Tanzarbeit:

Slow Motion

Eigenbewegung

Andere Wirklichkeiten

Starke Frauen – Hexen, Orixa

Die Räume dazwischen

Kontakt

Ambiguität – berührt sein und Berührende sein gleichzeitig

Kraft, Stärke, Macht, Wirksamkeit

Sexualität, Lebenskraft, Lebensenergie

Kontakt zu mir selbst über Atem und Becken

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Es ging darum Wege in Körperarbeit und Tanz zu finden unterdrückte, festgehaltene Kraft, Lebensenergie ins Fließen zu bringen, im Innenraum und nach außen.

Atem und Bewegung spielen dabei eine zentrale Rolle, wie auch die Verbindung des sensomotorischen Erfahrungsraums mit Gefühlen, Bildern und Worten. Sich ausprobieren können fürs Leben in einem Kreis Gleichgesinnter. Im Tanzritual des Dancing Dialogue die eigene Bewegung in Harmonie mit den Menschen um mich tanzen können und sich nicht mehr als störend und erschreckend erleben zu müssen sondern mit anderen Menschen in einen lustvollen und spielerischen Austausch kommenkönnen, Motor der gemeinsamen sozialen Skulptur sein.

Tanz ist dort, wo wir uns begegnen, dem Innen und dem Außen, an dieser Grenze uns offen halten für Begegnung, Austausch und Kontakt. Ein Tanz sagt: Das bewegt mich – das spüre ich.

Hier ein Bericht aus unserer Arbeit in Kontakt mit unserer Lebensenergie zu treten von Sylvia Borrink. Sie beschreibt sehr anschaulich, wie es sich anfühlt an der Grenze von Innenraum und Außenraum zu sein und was dann passieren kann.

Spüren ist das Zauberwort, auf die Spur kommen … dieser Bericht knüpft für mich unmittelbar da an, wo Alice Miller titelt: DU SOLLST NICHT SPÜREN und zeigt Wege wie es tanzend gelingen kann unsere Kraft zu entfalten. G.F.

 

Sensomotorische Erfahrung

Liebe Gabriele,

gerade schaue ich noch einmal meine Aufzeichnungen von der DD-Woche, 30. April – 9. Mai, durch. Ich habe die großen und die kleinen, die inneren und äußeren Tänze sehr genossen. Mal allein, mal im dialogischen Tanz zu zweit, zu dritt oder mit allen Tänzerinnen zusammen.

Sehr beeindruckt hat mich die folgende Erfahrung im sensomotorischen Raum. Du hattest uns gebeten, in einer Partnerinnenübung wahrzunehmen, was rein körperlich geschieht, wenn die Mittänzerin die Hand auf einen unserer Körperbereiche legt und umgekehrt. Also erst einmal nur „physically“ wahrzunehmen.

Ich bat meine Partnerin, ihre Hand auf mein Knie zu legen, während ich auf dem Rücken lag. Es war gar nicht so leicht, erst einmal nur körperlich, ohne emotionale Interpretation, wahrzunehmen, ich musste mich ziemlich darauf konzentrieren. Also, so hab ich mich selbst gefragt, „was genau spürst du jetzt rein körperlich auf/in deinem Knie?“

OK, also erst einmal eine Schwere, die auf dem anderen Knie nicht zu spüren ist, denn dort liegt ja keine Hand. Ah, auch die Temperatur ist unterschiedlich. Auf dem Knie mit der Hand ist es gerade etwas kühler als auf dem anderen Knie. Was noch?

Durch die „Schwere“ der Hand (die nur leicht aufgelegt war) entstand automatisch ein gewisser, wenn auch nur leichter Druck auf dem Knie. Das Gewebe darunter begann, darauf zu reagieren, da es sich aus Platzgründen nun umorientieren musste. Die Zellen suchten nach einer neuen Formation, um einen anderen Platz einnehmen zu können. Von außen gefühlt waren es winzig kleine Bewegungen, nach innen gefühlt eine durchaus große Aktion, die da stattfand und sich nach und nach flächig im gesamten Körpergewebe ausbreitete, da nun auch alle anderen Zellen darauf reagierten, einen neuen Platz zu finden.

Durch diese inneren Umorientierungs-Bewegungen der Zellen entstanden Reibungen, einhergehend mit Wärme. Sobald alle Zellen ihren neuen Platz gefunden und eingenommen hatten, begannen die Zellen im Knie zu tasten, was da mit ihnen in Verbindung getreten war. Aha, ein anderes Gewebe.

Es wurde von meinen Zellen zunächst abgetastet, als würden sie erst einmal gegen eine äußere Wand stupsen, um sie zu erkunden. Während dieser Aktion wurde diese Wand langsam dünner (wie: steter Tropfen höhlt den Stein) und dann schmolz die Wand und eine ungehinderte Interaktion zwischen meinem Gewebe und dem Gewebe meiner Mittänzerin entstand, ein Austausch, durch den sich nun ein gemeinsamer innerer Bewegungsraum öffnete.

Damit einhergehend wurde es richtig heiß in meinem Knie und erhöhte Wärme breitete sich in meinem ganzen Körper aus. Alle Zellen meines Körpers waren nun – durch die Austausch-Pforte, die sich zwischen meinem Knie und der Hand meiner Mittänzerin allein durch die Berührung schließlich weit aufgetan hatte – an diesem Austausch beteiligt.

Eine ungeheure Belebung, mein Körper fühlte sich an wie ein Ballsaal, der mit einem anderen Ballsaal durch eine offene Saaltür verbunden ist, wodurch sich die tanzenden Zellen in beiden Ballsälen zu einem rauschenden gemeinsamen Tanzfest vereinen. Ich überlege, auf welcher Körperebene sich dieses Erlebnis abspielte und würde es der Flüssigkeitsebene in den Zellen zuordnen, oder was meinst du?

Zu meiner großen Überraschung verlief die Übung völlig anders im Partnerinnenwechsel. Schon kurz nachdem ich meine Hand auf die Körperstelle meiner Mittänzerin legte, die sie gewählt hatte, schien in meiner Hand augenblicklich alles auf Empfang ausgerichtet zu sein.

Wärme strömte in meine Hand und mein innerer Raum erweiterte sich (auch hier überlege ich, welche Körperebene ich damit meine. Ich glaube, es ist der Aura-Raum, auch wenn ich vom inneren Raum spreche). Ich kann gar nicht genau beschreiben, was physisch passierte.

Meine Hand war wie eine Empfangspforte, über die eine riesige Wärmewelle meinen Körper durchwogte, der sich in völliger Hingabe davon mittragen ließ. Raum und Zeit wurden unendlich, ich hatte das innere Bild und ein Gefühl, wie mit einem Wal in die Weltenmeere getragen zu werden, im sanften, kraftvollen Auf und Ab, im puren Sein, ohne Gedanken, ohne Ziel.

Gleichzeitig war ich mir meines sitzenden Körpers voll bewusst. Der Moment, im Zeitlupentempo die Hand von meiner Mittänzerin zu lösen, erfolgte ohne bewusstes Zutun. Ich war für eine gewisse Zeit in einen Weltmeeres-Tanz eingeladen worden, der ein Weilchen als sanftes inneres Schaukeln in mir nachwirkte. Diese Erfahrung habe ich weniger auf der zellulären Ebene wahrgenommen, sondern eher auf der Faszienebene, denke ich im Nachhinein. S.B.

Slow motion und Eigenbewegung II

Unter dem Titel HKITgoesUNI schickt Yvonne Middelborg die folgende Studie, die zeigt wie wirksam HKIT sind und die anregt, sich vertiefend mit der Wirkung von Verlangsamung und Eigenbewegung zu beschäftigen. Auf jeden Fall Stoff für eine Doktorarbeit:

Ich komme gerade vom Hochschulseminar zurück.

Eigentlich hatte ich einen anderen Seminarinhalt gedacht, doch mir schien es angebracht intensiver als sonst die anfängliche Zeit zu gestalten.

Nachdem ich allen ein Blatt Papier und Stifte angeboten habe, um ihr aktuelles Körperempfinden zu malen, teilte ich Matten und Decken aus.

Die wurden gern genommen. Wir haben am Boden begonnen zu Körperwahrnehmung und Atembewusstsein. Es folgte die Einladung vom Kopf beginnend den eigenen Körper in Bewegung kommen zu lassen oder auch nicht. Ganz individuell. Doch immer in Kontakt zu sein und zu kommen mit dem eigenen Atemfluss. Später gab ich leise Musik hinzu, für diejenigen, die in Stille Schwierigkeiten haben in Bewegung zu kommen. Die Musik wähle ich aber so, dass die die Stille bevorzugen auch hier weiter arbeiten können.

Nach einem guten Abschluss und dem Nachspüren, gab es ein 2. mal Blätter und Stifte für ein wiederholtes „Visualisieren“ des aktuellen Körperempfindens. Daraufhin ein abschließendes Gespräch.

darauf wollte ich eigentlich hinaus, auf die Inhalte des Geäußerten seitens der Studierenden zum Thema SLOW MOTION UND EIGENBEWEGUNG.

Folgende Aussagen der teilnehmenden Studentinnen:
„Für mich war es angenehm. Ich bin mehr bewusst für meinen Körper und meine eigenen Bewegungen. Außerdem ist mir klar geworden, wie oft ich meinen Atem anhalte, wenn ich mich konzentriere. Es war daher total gut, dass du immer wieder darauf hingewiesen hast. Und ich bin total verlangsamt.“
„Für mich total anstrengend. ich habe viel nachgedacht und mich auch gelangweilt. Ich merke, dass es mir schwer fällt mich auf meinen Körper zu konzentrieren. Doch ich bin jetzt viel klarer als vorher – im Kopf“
„Ich bin total verschlafen hier angekommen. Ich habe das Gefühl, dass mein Körper jetzt das Aufwachen nachholen konnte, so ganz in Ruhe. Fühle mich jetzt aufgewacht. und ausgeglichen“
“ Für mich war diese Übung total notwendig. Ich war total verspannt… lag auf dem Boden wie ein Brett. So allmählich bin ich ganz schwer geworden. Mein oberflächlicher Atem ist jetzt viel tiefer. Meine Schmerzen sind weg im Nacken. ich konnte mir zeit für den Nacken nehmen. Ich fühle mich leer und es wäre schön, wenn es jetzt Nacht wäre…“
„mein Atem. ich habe gespürt, wie und wann ich aufhöre zu atmen. Und die Bewegungen, meine eigenen Bewegungen kamen und haben mir geholfen tief auszuatmen.. ich bin schwer und positiv entspannt. Das malen kam jetzt einfach so, ich musste gar nicht nachdenken wie beim ersten Bild.“
„Für mich ist es Routine diese konzentrative Entspannung. Ich bin dann selbstständig durch meinen Körper gewandert. Mein Becken ist mir jetzt viel bewusster. Es tut immer wieder gut, auch wenn ich solche Übungen schon lange kenne.“
Ich finde vor allem interessant, daß jede-r den raum für sich nehmen konnte. Aufgefallen ist die Verlangsamung und die Formulierung, das Bewegungen nachgeholt werden konnten für die am Morgen keine Zeit bzw kein Raum war.
Soweit mein Kommentar zu deinem Post, den Du bitte gerne einstellen kannst. Y.M.

Slow motion & Eigenbewegung

Was mich im Moment antreibt spiegelt sich in den Worten Slow motion und Eigenbewegung und kommt mir prompt in der Email von RBB entgegen …

Immer wieder zurück zu den Basics … heftige Bewegungen, innen wie außen…alles nicht so einfach zu händeln für mich.
Manchmal weiß ich nicht, wo hinten und vorne ist und es bricht sich nur noch Aua und Angst Bahn in mir….ja, solange bis ich mich selbst wieder einhole wie eine geduldige liebevolle Mutter, die mir zuflüstert: Atme…atme…alles ist gut….atme…
wo diese mir selbst zu geflüsterten Worte mich erreichen und berühren…innerlich erreichen, wo ich wieder Grund im weitesten und tiefsten Sinne spüren kann, um bei mir zu bleiben….innerlich zu wissen, dass ich es gut mit mir meine und es so gut mache wie ich es kann.
Weißt du, ich bin eine DD-Tänzerin und damit auch zu einer Lebenstänzerin immer mehr geworden. All die DD Jahre haben mich tief geprägt. Da ist viel gewachsen und gereift in mir. Manchmal kommt mir so die Idee, dass jetzt in dieser mich stark bewegten Zeit all meine verschiedenen Seiten und Gaben abgerufen werden möchten. Ja, sie möchten zu einem großen Ganzen verbunden werden.
Wie auch immer meine nächste Arbeit aussehen mag…?????? Doch mittlerweile kann ich besser mit all den Fragezeichen leben, ohne alle paar Mintuten gecrasht zu werden von Existenzangst. Es dreht und wendet sich irgendwie
immer dann, wenn ich einigermaßen relaxt sein kann, meinem Körper folge so gut es geht….ich draußen gehe, einfach gehe….damit auch die Gedanken kommen und gehen können, ohne dass ihre Macht mich in irgendeine Ecke drängt und festhält. Große Lebenswellen zum Surfen…ohhhh….und oftmals macht es platscht und ich gehe in der Flutwelle unter…leider oftmals auch ohne Nasenklemme und Schutzbrille vor den Augen….

Diese Zeitqualität ist sooo rasant schnell, dass es mir schwindelig wird und gleichzeitig bietet sie mir auch eine Menge an Veränderungsmöglichkeiten, die erstmal in meinem Inneren anfangen, bevor sie sich in meinem Handeln nach außen begeben.


Und das hat mich DD und HKiT gelehrt: immer wieder zurück zu den BASICS: Atmen, atmen, warten können auf einen tragbaren Bewegungsimpuls…ihn achtsam und gespürt in Slowmotion auszuführen…mit ihm zu experimentieren…genau hinzuhorchen und hinzuspüren, wie er sich entwickeln möchte und auch wann eine Bewegung zu Ende geführt ist. Kann ich dann
wirklich eine Punkt setzen um etwas zu beenden
Was sich jetzt so einfach anhört, das liegt nur an meiner Zusammenfassung, an meiner Reflexion auf deine Frage, wie es mir geht.
Beim Schreiben wird mir vieles klarer und bekommt nochmal Raum, um von mir selbst gesehen und gewürdigt zu werden.
Und gerne hab ich dir geantwortet:-))

Jahrbuch Sucht 2017

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-278089.html

Die Medikamentenabhängigkeit ist neben Alkoholabhängigkeit erschreckend hoch in Deutschland. Das betrifft vor allem 2 Millionen, meist Frauen 60 +.

In der Supervision war immer wieder die Frage, wer ist unsere Zielgruppe und für wen schreiben wir unsere Texte und machen wir unsere Workshops? Hier ist denke ich eine wichtige Zielgruppe, Frauen 60+.

Was bewegt sie, was treibt sie an und was haben HKIT zu bieten im Gegensatz zu Beruhigungspillen und Schlaftabletten?

Es ist immer wieder spannend und neu sich mit möglichen Zielgruppen unserer HKIT Angebote zu beschäftigen und fordert uns heraus nach demM Sitz im Leben unserer Angebote zu forschen.

Schlaulaufen

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-137878579.html

Hier ein Artikel, der mir bei meinen Internetrecherchen zum Thema kognitive Entwicklung und sensomotorischer Raum auf der Suche nach Antworten zum Thema „Wie wirkt TanztherapieHKIT“, begegnete.

Ich finde ihn sehr interessant, zeigt er doch die aktuelle Forschung zu den körperlichen Reaktionen auf Sport, als eine Form von Bewegung. Natürlich gibt es da bedeutende Unterschiede zum Tanzen, wie wir es in den HKIT praktizieren, doch lassen sich Rückschlüsse auf die physiologischen Wirkungen von Tanz ableiten, was ist super spannend finde, wenn wir fragen, wie wirkt Tanztherapie HKIT?

Auch die Frage, was geschieht, wenn wir den ganzen Leistungsanspruch des Sports raus nehmen und ins Spiel, ins Tanzen kommen, was da zusätzlich noch für Kräfte am Wirken sind, finde ich sehr wichtig.

Ich freue mich über Rückmeldungen. G.F.

Supervision März 2017

Letzte Woche trafen wir uns zum ersten Block der Supervison 2017 und im Nachklang merke ich erst, welche Welten wir da gemeinsam bewegt haben. Bei frühlingshaften Temperaturen von 21 Grad gingen wir an den Start.

Schon in den vorbereitenden Einzelsessions ging es zur Sache: Atem – Bewegung – Gewebe. Eine ganz besondere Heilungscombi, die zu erfassen ein langjähriges Training voraussetzt, wollte ich schreiben, bestimmt gibt es aber auch spontane Heilungserfolge, wenn der festgehaltene Schrecken, das fest gehaltende Trauma sich im Rhythmus des sich ins Gewebe einschleichenden Atems langsam lockert, löst und weggeschwemmt werden kann mit der Atemluft abgegeben werden kann, sich ausdrücken kann nach außen gelangt, entlassen wird oder sich noch im Gewebe in Weichheit transformiert, bis in die Knochen hinein.

Ein lebendiger Knochen fühlt sich weich und beweglich an und kann, wenn er seine Botschaft abgegeben hat seine knall harte Präsenz aufgeben oder sein lassen und wieder lebendig im Rhythmus des Atems vor sich hin leben, lachen, froh sein, mit allen übrigen Teilen des Körpers kommunizieren, so auch mit meiner Hand, die dieses ganze Spektakel live miterlebt, bei der simplen Berührung der Beckenschale einer Klientin. Gut.

Hier geht es nun stichwortartig weiter:

Gewaltfreie Kommunikation mit unserer in HKIT, Mediation und GFK qualifizierten Gastdozentin Stefka Weiland. Eine Einführung.

Die 4 Schritte der GFK: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte.

Wir arbeiten mit Fällen aus der Praxis und sind verblüfft wie GFK und HKIT zusammengehen und sich auf körperlicher und verbaler Ebene ergänzen können. Es gibt viel zu lernen, Worte für Gefühle und Bedürfnisse zu finden. Wir merken, dass Gefühle Körperempfindungen meint und Bedürfnisse auch Werte sind. Ich bringe meine brandaktuellen und auch langjährigen Forschungen zum sensomotorischen Raum, nach Piaget, ins Spiel.

Entwicklungspsychologisch betrachtet entstehen unsere kognitiven Fähigkeiten auf der Grundlage unserer sinnlichen und motorischen Erfahrungen in der frühen Kindheit und entwickeln sich weiter zu Körperempfindungen, die wir dann als Gefühle interpretieren, je älter und je symbolhafter unser Denken und wahrnehmen wird, in dem Laute zu Worten werden und Farben und Linien zu Bildern, in dem sich Sprache entwickelt und unsere formale Intelligenz wächst.

Wichtig ist, dass wir diese Verbindungen zu unserer Basis, dem sensomotorischen Raum nicht verlieren. Wir umschreiben dieses Erleben mit FLOW, mit TANZ oder mit SPIEL. Letztere beiden sind Synonyme und kommen aus dem Sanskrit, einer wichtigen Wurzel unserer Sprache.

Hier finden wir eine vernünftige Antwort auf die Frage, wie Tanz heilt, also auf welcher Ebene Tanztherapie arbeitet und wirkt. Im spielerischen Raum von Bewegung und Atem können wir uns neu erfinden und alte und überkommene Glaubens- und Verhaltensmuster über Bord werfen, indem wir sie neu interpretieren.

Da liegt der Schlüssel von GFK und HKIT. Die GFK sind als reine Wortgespinnste nicht wirksam. Die Wort ergreifen uns, rutschen hinein in den Körper, schütteln uns wach und rütteln an den Grundfesten unserer Überzeugungen. Das geht in der Combi mit Körperarbeit und HKIT wesentlich einfacher als im trockenen Sprachlabor.

Und hier möchte ich nochmal auf die knochenerweichende Arbeit mit Atem, Rhythmus und Bewegung ganz zu Anfang dieses Textes in der Einzel HKIT hinweisen, da wird Heilung spürbar, fühlbar in ihrer ganzen Präsenz, wenn wir unsere Starrheit und Rigidität (Blockade) aufgeben können und die Botschaften im Gewebe auf sensomotorischem Niveau erhört werden und sich ein neuer Ryhthmus kreieren kann.

Unser Supervisionsblock endet damit, dass sich Sabine Büshel und Katrin Wehde- Behrends verabschieden, ihr Maß ist voll, sie sind fertige HKIT Tanztherapeutinnen und werden beim Forum im Sommer 2017, 25.-27. August, ihre Diplome entgegennehmen. Ihre Frage, wie die Botschaft von den mit den HKIT, meist auf sensomotorischer Ebene, gemachten Erfahrungen in Wort und Bild in die Welt tragen?, bewegt uns.

Texte mit denen wir andere Menschen erreichen wollen müssen sich zu aller erst einmal die Frage nach der Zielgruppe gefallen lassen. Für wen schreibe ich das? Wen soll das Bild ansprechen? Ja, und dann landen wir bei den Themen unserer Zeit: Stress, Burnout, Widerstandskräfte, Resonanz, Nachhaltigkeit, bei den Bedürfnissen der Menschen, wie wir sie so schön in den GFK auf einer Liste zugespielt bekommen haben … Ruhe, Balance, Integrität, Autonomie, Freiheit, Schutz, Geborgenheit … .

Wie in einem Text Worte spürbar, fühlbar rüber bringen, so dass sich die Menschen angesprochen fühlen, eingeladen mit zu tanzen? Bilder – Worte – Gefühle – Atem – Rhythmus – Bewegung – Stimme. So schließt sich der Kreis dieser vier Ausbildungstage. Wir haben eine Menge bewegt und ich bin froh, wenn die Teilnehmerin in den Kommentaren meine Vorlage, denn mehr kann dieser Text nicht sein, ergänzen und mit eigenen Erfahrungen bereichern. Euere G.F.